Gefährliche Nebenwirkungen
Hormonhersteller wegen Beipackzetteln unter Beschuss

Die Hormonersatztherapie (HET) zur Behandlung von Beschwerden in den Wechseljahren gerät zunehmend unter Beschuss. Den Arzneimittelherstellern droht ein lukrativer Markt zu versiegen.

FRANKFURT/M. Die Hormonersatztherapie (HET) zur Behandlung von Beschwerden in den Wechseljahren gerät zunehmend unter Beschuss. Kurz nachdem eine neue Studie unerwartet hohe Risiken dieser Therapieform zu Tage förderte, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine verschärfte Formulierung der Beipackzettel angeordnet. Den Arzneimittelherstellern Schering, Wyeth, Novo Nordisk, Grünenthal, Jenapharm, Novartis und Solvay droht ein lukrativer Markt zu versiegen. Denn in Deutschland entscheiden sich 40 % aller Frauen nach der Menopause für die HET, mehr als in jedem anderen europäischen Land.

In der BfArM-Empfehlung heißt es, dass Arzneimittel zur HET künftig nur noch bei ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden angewendet werden sollten. Auch solle die Behandlung so kurz und so niedrig dosiert wie möglich sein. Offenbar steigt mit der Einnahme dieser Präparate das Risiko, lebensbedrohliche Krankheiten zu bekommen, stärker als bisher angenommen. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen können neben Brustkrebs auch Thrombosen, die koronare Herzkrankheit und Schlaganfälle zählen.

Die Herstellerfirmen haben nun vier Wochen Zeit, um gegen die vom BfArM angeordnete Neufassung der Beipackzettel Widerspruch einzulegen. Ob diese Frist genutzt wird, vermochten die meisten Unternehmen am Montag noch nicht zu sagen. Allein in der deutschen Niederlassung des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk geht man davon aus, dass an dem einen oder anderen Absatz noch gefeilt werden müsse.

Dem Berliner Schering-Konzern dürfte die BfArM-Warnung besonders ungelegen kommen, weil sie auch das vor der EU-Markteinführung stehende HET-Pille "Angeliq" betrifft. Von ihr erhofft sich das Dax-Unternehmen bislang Spitzenverkäufe von 250 Mill. Euro.

Die Zweifel an der HET ist nicht neu. Während frühere US-Studien von der hiesigen Industrie jedoch mit dem Argument weggewischt wurden, dass dort nicht die selben Hormone verschrieben werden, sorgte zuletzt die britische Million-Women-Studie für Aufruhr. Neben dem Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, untersuchte die Beobachtungsstudie auch die Sterblichkeit. Diese fiel in der Gruppe der Patientinnen mit Hormonersatztherapie ebenfalls deutlich höher aus. Die erschreckenden Studienergebnisse sind nach Ansicht der Berliner Medizinprofessorin Martina Dören auch auf den deutschen Markt übertragbar, weil hier nahezu die selben Präparate verschrieben würden wie in Großbritannien.

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