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Gefährliches Motorroller-Tuning bei Jugendlichen

Duisburg (dpa/gms) - Die für Mofas und Mopeds erlaubten Geschwindigkeiten scheinen vielen nicht zu reichen: „Man kann davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der Fahrzeuge manipuliert ist“, so Michael Baumann von der Landespolizeidirektion Saarland in Saarbrücken.

Duisburg (dpa/gms) - Die für Mofas und Mopeds erlaubten Geschwindigkeiten scheinen vielen nicht zu reichen: "Man kann davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte der Fahrzeuge manipuliert ist", so Michael Baumann von der Landespolizeidirektion Saarland in Saarbrücken.

Doch die rasenden Roller sind nicht nur verboten, sie stellen auch eine Gefahr dar. Noch weiter geht Thorsten Pluym, Inhaber des Fachgeschäftes Roller-Tuning Duisburg: "Ich gehe davon aus, dass 99 % der Motorroller von Jugendlichen und Fahrern unter 30 Jahren nicht mehr original sind." Wobei es sich allerdings nicht immer um Leistungssteigerung, sondern auch um andere Umbauten handeln kann.

Das Internet habe das Tuning vereinfacht, sagt Polizeihauptmeister Gerhard Kath vom Verkehrsunfalldienst Lübeck: Im Netz finden sich massenweise Tipps. Und waren einst Auspuffanlagen auszutauschen, geht es nun um einfache Eingriffe in die Elektronik. "Die Fahrzeuge sind in anderen Ländern meist für höheres Tempo ausgelegt und werden für Deutschland bei Mofas auf 25 km/h gedrosselt."

"Einige Motoren erlauben Leistungssteigerungen bis zu 100 %", so Rainer Hessel von der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Meckenheim bei Bonn. "Mit einem Umbausatz auf 70 Kubikzentimeter Hubraum sowie Änderungen an Vergaser und Getriebe sind 100 km/h drin", sagt Pluym - selbst 150 km/h seien möglich.

Für Fachleute ist dies der wahre Horror, denn mit dem Tempo steigt das Risiko: "Dabei geht es zum einen um die Gefahrenerhöhung durch die Geschwindigkeit an sich", so Hessel. "Aber auch Teile wie das Fahrwerk sind einer wesentlich höheren Belastung ausgesetzt." Ein Versagen kann zu schweren Unfällen führen. Das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen betont, dass bei neuen Fahrzeugen durch die Eingriffe die Gewährleistungsansprüche verfallen.

Hinzu kommen rechtliche Folgen, wenn der forsche Fahrer ertappt wird. So erlischt die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) des Fahrzeugs. Wer nur Mofa fahren darf und mit Tempo 50 unterwegs ist, hat ebenso ein Problem wie derjenige mit Moped-Erlaubnis und Tempo 70: "Das ist Fahren ohne Fahrerlaubnis", so Polizeihauptmeister Kath. "Das kann eine Freiheitsstrafe zur Folge haben." Auf jeden Fall muss der Roller vorerst geschoben werden.

Nach einem Unfall drohen Fahrern getunter Roller weitere Probleme: Die Versicherung muss nicht zahlen. Laut Rainer Hessel muss der Fahrer bei einem selbst verschuldeten Crash mit seinem persönlichen Vermögen haften, um Schäden zu begleichen. Zur Sicherheit sollten sich laut Baumann die Eltern den Roller des Nachwuchses dann und wann anschauen: "Die Eltern sind mitverantwortlich." Es schadet nicht, wenn Vater und Mutter selbst eine Runde mit dem Gefährt drehen.

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