Gefängnisstrafen für Komplizen
Gericht verurteilt Pearl-Mörder zum Tode

Ein pakistanisches Gericht hat am Montag den militanten Islamisten Scheich Ahmed Omar Saeed (28) wegen Geiselnahme und Mordes an dem US-Journalisten Daniel Pearl zum Tod verurteilt.

Reuters HYDERABAD. Der Richter sprach zudem drei Komplizen für schuldig und verurteilte sie zu lebenslanger Haft sowie einer Geldbuße zu Gunsten von Marianne Pearl, wie das Gericht weiter mitteilte. Die Verteidiger kündigten Berufung an. Die Staatsanwaltschaft verlangt auch für die drei Komplizen die Todesstrafe.

Pearl hatte für das "Wall Street Journal" gearbeitet und eine Geschichte über islamischen Fundamentalismus recherchiert, als er am 23. Januar dieses Jahres in Karatschi entführt wurde. Später fand die Polizei eine Leiche, die aber bislang nicht als die des Journalisten identifiziert wurde. Auf einem Videoband, das der Polizei zugespielt wurde, war die Hinrichtung des Journalisten festgehalten worden. Der in Großbritannien als Sohn eines pakistanischen Textilhändlers geborene Omar hat die Tat bestritten.

Chefankläger Raja Qureshi sagte Reuters nach Abschluss des Prozesses, die vier Angeklagten hätten auf das Urteil hin keine Reaktion gezeigt. "Sie standen, hörten zu und setzten sich." Die Verteidiger kündigten Berufung an. Alle Beweise für die angebliche Ermordung seien widerlegt worden, sagte ein Verteidiger. "Die Entscheidung ist ungerecht." Über seine Anwälte ließ Omar erklären, wer ihn töten wolle, werde ein gleiches Schicksal erleiden. Der Prozess sei reine Zeitverschwendung gewesen. Hier gehe es um einen Krieg zwischen dem Islam und den Ungläubigen.

Zwei Millionen Rupien für die Witwe

Die Todesstrafe wird in Pakistan durch Erhängen vollzogen. Das Strafmaß einer lebenslangen Haftstrafe läuft in der Regel auf 25 Jahre Haft hinaus.

Das "Wall Street Journal" erklärte: "Wir trauern weiter um Danny Pearl." Man hoffe weiterhin, dass jeder, der an der Ermordung mitgewirkt habe, vor Gericht gestellt werde. "Das heutige Urteil ist ein Schritt in diese Richtung", heißt es in der in Paris veröffentlichten Stellungnahme.

Der Prozess hatte unter starken Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden und war nicht öffentlich. Aus Sicherheitsgründen war er von Karatschi in ein Gefängnis nach Hyderabad verlegt worden. Staatsanwaltschaft und Verteidigung informierten die Medien jeweils nach Ende eines Prozesstages. Jeder der vier Angeklagten muss 500 000 Rupien (etwa 8 300 Euro) sowie alle vier gemeinsam zwei Millionen Rupien an die Witwe von Pearl bezahlen. Marianne Pearl hatte am 28. Mai in Paris einen Sohn zur Welt gebracht.

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