Gefahr ab 4000 Sporen
Vermutlich weiteres Milzbrand-Opfer in den USA

Aus der US-Bundeshauptstadt Washington ist am Mittwoch mach offiziellen Angaben eine siebte Person mit Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert worden, die auf eine Erkrankung an Milzbrand hindeuten. Zugleich wurden Polizeiangaben zufolge Spuren von Milzbrand-Erregern in einem fünften Gebäude des US-Kongresses gefunden.

rtr WASHINGTON. Erste Tests bei etwa 120 Mitarbeitern des US-Präsidialamtes haben dagegen offiziellen Angaben zufolge keine Spuren von Milzbrand ergeben. US-Regierungssprecher Ari Fleischer sagte, keines der Testergebnisse sei positiv ausgefallen. Bei der siebten Person handele es sich um eine Parlamentsjournalistin, teilten die US-Gesundheitsbehörden mit. Sollte sich der Verdacht auf Milzbrand bestätigen, wäre sie die erste Person, die nach einem Kontakt mit Milzbrand-Erregern in Kongressgebäuden erkrankt ist. Bei 28 Mitarbeitern des Kongresses war zuvor bereits eine Infektion mit den Erregern festgestellt worden, ohne dass bislang die Krankheit ausgebrochen wäre.

Erkrankt an Milzbrand sind jedoch auch Angestellte eines Postvertriebszentrums in Washington, über das in der vergangenen Woche ein mit Erregern versetzter Brief an US-Senator Tom Daschle weitergeleitet wurde. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass dieser Brief die Milzbrand-Erreger in Washington verbreitet hat, unter anderem auch in einer Poststelle des US-Präsidialamtes, die mehrere Kilometer vom Weißen Haus entfernt liegt. Die Poststelle erhält ihre Sendungen aus demselben Vertriebszentrum wie der Kongress.

Das fünfte Gebäude, in dem Milzbrand-Erreger gefunden wurden, gehört ebenfalls zu dem Komplex, in dem Daschles Büro liegt. Die Erreger seien im Bereich eines Frachtaufzuges in einem Seitenflügel des Hauses gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher. In Washington sind wegen des Fundes von Milzbrand-Spuren bereits mehrere Gebäude des US-Parlaments seit Tagen geschlossen. Fleischer sagte, insgesamt würden rund 200 Mitarbeiter der Poststelle des Präsidialamtes überprüft. In der Poststelle wurde offiziellen Angaben zufolge nur eine geringe Zahl von Milzbrand-Sporen gefunden. Es seien zwischen 20 und 500 Sporen entdeckt worden. Von einer Menge zwischen 4000 und 5000 Sporen an ist es wahrscheinlich, dass die Erreger eine Krankheit verursachen. Nach diesem Fund sagte US-Präsident George W. Bush, er wäre nicht überrascht, wenn es zwischen der Verbreitung der Milzbrand-Erreger und der Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden eine Verbindung gebe.

Die USA machen Bin Laden für die Anschläge am 11. September verantwortlich, bei denen mehr als 5000 Menschen getötet wurden. Bin Laden soll sich in Afghanistan aufhalten. Seit dem 7. Oktober fliegen die USA Luftangriffe gegen das Land.

Weitere Mitarbeiterin der "New York Post" erkrankt

In Washington sind bereits zwei Postangestellte an Lungen-Milzbrand gestorben. Am 5. Oktober war ein Fotoredakteur im US-Bundesstaat Florida an Lungen-Milzbrand gestorben. Aus Kreisen der "New York Post" verlautete am Mittwoch, dass eine weitere Mitarbeiterin der Zeitung an Hautmilzbrand erkrankt sei. Die Frau sei in der Poststelle tätig und werde nun behandelt. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor. Bereits am 19. Oktober war eine Mitarbeiterin der Zeitung an Hautmilzbrand erkrankt.

Der deutsche Chemiekonzern Bayer vereinbarte unterdessen nach eigenen Angaben mit der US-Regierung die Lieferung von bis zu 300 Mill. Tabletten seines Milzbrand-Antibiotikums Cipro zu einem niedrigeren Preis als bisher. Das Unternehmen teilte in New York mit, die ersten 100 Mill. Tabletten sollten bis Jahresende zum Preis von 95 Cents pro Stück geliefert werden. Bei der vorangegangenen Lieferung hatte der Preis 1,77 Dollar je Stück betragen. Die US-Regierung habe eine Option auf den Kauf von weiteren 200 Mill. Tabletten. Auch nach Kanada würden die Tabletten zu den mit der US-Regierung vereinbarten niedrigeren Preis geliefert.

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