Gefahr eines "Double Dips"
Der Aufschwung macht Pause

Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten deutlichen Abkühlung der deutschen Wirtschaft beträgt nach Einschätzung von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb etwa 50 Prozent.

Reuters/vwd FRANKFURT. "Es könnte natürlich sein, dass wir einen "Double Dip" bekommen werden", sagte Nerb in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC am Donnerstag. Derzeit seien die Chancen gleich groß, entweder eine kurze Wachstumspause oder eine deutliche Abkühlung der Konjunktur in Deutschland zu erleben.

Nerb sagte weiter, es gebe keinen Grund für die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen in diesem Jahr noch anzuheben. "Langfristig könnte sogar eine Zinssenkung die richtige Strategie sein", sagte Nerb. Derzeit sei eine Entscheidung darüber noch zu früh.

Der bereits zweite Rückgang des Geschäftsklimaindex des Münchener ifo Instituts signalisiert nach Einschätzung von Nerb für Westdeutschland eine Pause der wirtschaftlichen Erholung. Wie Nerb am Donnerstag im Anschluss an die Bekanntgabe der Daten weiter ausführte, müsse aber zunächst weiter abgewartet werden, wie kurz- oder mittelfristig diese Entwicklung sei. Eine "gewisse Stockung" sei aber zu beobachten. Die kommenden Monate werden Nerb zufolge darüber entscheiden, ob es zu einer Verzögerung des Aufschwungs kommen wird.

Einiges deute darauf, dass der Lageraufstockungsprozess zum Erliegen gekommen sei. Das treffe natürlich zunächst die Grundstoffindustrie. Insgesamt scheine sich ein "langsameres Fahrwasser" abzuzeichnen. Zwar sei nach den üblichen Konjunkturmustern in den kommenden Monaten eine wirtschaftliche Aufwärtsbewegung zu erwarten, doch sei derzeit eine derartige Aussage nicht möglich. Immerhin habe sich die Exportnachfrage nicht verschlechtert, auch der derzeitige Außenwert des Euro sei für die Exporteure durchaus akzeptabel. Nerb äußerte daneben die Einschätzung, dass die Unternehmen die Aufwertung des Euro ohnehin erwartet hatten.

Die Binnennachfrage entwickle sich hingegen nur langsam. Es gebe aber in den alten Bundesländern Zeichen einer Erholung im Groß- und Einzelhandel. Dies mache Hoffnung für die Gebrauchsgüterindustrie, urteilte der ifo Experte. Den inländischen Investitionen hingegen fehle weiterhin der Schwung.

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