Gefahr noch nicht gebannt
Code Red hat "Erwartungen" nicht erfüllt

Seit der vergangenen Woche hat der Computervirus 300 000 Websites infiziert und 1,2 Mrd. $ Schaden angerichtet. Das Internet wurde aber nicht lahmgelegt.

Reuters SINGAPUR/LONDON. Der neue Angriff des Computer-Virus "Code Red" ist entgegen den Befürchtungen einiger Experten ohne nennenswerte Folgen geblieben. Die US-Regierung teilte am Mittwoch ebenso wie mehrere asiatische Staaten mit, der Virus habe sie nicht beeinträchtigt. Einige Experten führten dies auf erfolgreiche Sicherungen zurück, andere sprachen vor übertriebenen Warnungen vor der erwarteten Attacke. Einige Fachleuten hatten befürchtet, dass "Code Red" den Internet-Verkehr ab dem Mittwochmorgen durch eine rasche Verbreitung auf breiter Basis stören könnte. Experten warnten jedoch, dass "Red Code" noch immer aktiv ist.

Bei "Code Red" handelt es sich um einen Wurm, eine Sonderform des Virus. Während sich Viren innerhalb eines Rechners von Datei zu Datei ausbreiten, verbreiten sich Würmer über Netzwerke selbstständig von einem Computer zum anderen. "Code Red" war bereits zwei Mal aufgetreten. Er attackiert unter anderem Rechner, die unter den Betriebssystemen Windows NT und Windows 2000 laufen und über bestimmte Servertypen in Netzwerke eingebunden sind.

"Derzeit berichten weder Regierungs- noch private Überwachungszentren von irgendwelchen ungewöhnlichen Aktivitäten, die mit dem "Code Red'-Virus zusammenhängen", sagte der Direktor des nationalen Schutzzentrums für Infrastruktur in den USA, Ronald Dick. Auch die japanische Agentur für Internet-Sicherheit und das Hongkonger Koordinierungs-Zentrum für Notfallteams sahen keine Anzeichen für Schäden durch "Code Red". In China, das als mögliches Ursprungsland des Virus gilt, wurden staatlichen Angaben zufolge ebenfalls keine Schadensfälle gemeldet. Dies seien gute Zeichen, sagten sowohl Spezialisten für Computer-Sicherheit wie auch die US-Bundespolizei FBI.

Nach Angaben der Firma Keynote Systems, die den Internet-Verkehr auf Websites beobachtet, lief der Verkehr auf den viel besuchten Sites von Yahoo, Google und Excite normal. "Wenn die Verbreitung des Wurmes und der daraus entstehende Verkehr die Leistung des Internets beeinflusst hätte, dann könnte das sicherlich auf diesen Sites gesehen werden", sagte Keynote-Sprecherin Mary Lindsay. Experten warnten jedoch, dass die Gefahr noch nicht ganz beseitigt sei. Die amerikanische Expertengruppe Cert, die seit 1988 Hacker und Computerviren beobachtet, berichtete, es gebe nach wie vor Anzeichen für eine Aktivität von "Red Code". Das Programm suche offenbar Server, in die es eindringen könne. Cert appellierte noch einmal an alle Betreiber von Servern, das kostenlose Sicherungsprogramm von Microsoft zu installieren.

Viele Computer-Nutzer hätten sich rechtzeitig mit den im Internet verfügbaren Programmergänzungen gegen den Virus geschützt und so größere Schäden verhindert, sagte Experten. "Das ist so ähnlich wie beim Jahr-2000-Problem", erläuterte Ravi Venkatesam von Atesto Technologies. "Weil sich jeder selbst schützt, ist es ein Blindgänger." Zu Silvester 1999 war wegen der Datumsumstellung auf das Jahr 2000 mit erheblichen Computer-Problemen gerechnet worden, die sich nach umfangreichen Schutzmaßnahmen jedoch als geringfügig herausstellten.

Der technische Direktor der Londoner Firma Information Risk Management, Neil Barrett, nannte einige Warnungen vor "Code Red" eine Überreaktion. "Ich denke, das motiviert Hacker. Es schafft so viel Aufmerksamkeit. Das ist genau das, was Hacker erreichen wollen."

"Code Red" war erstmals am 19. Juli aufgetreten und hat nach Schätzung von Experten bislang rund 1,2 Mrd. $ Schaden angerichtet. Allein die Kosten des Säuberns, der Überwachung und des Überprüfens der Systeme auf "Code Red" beliefen sich auf 740 Mill. $, sagte Michael Erbschloe von Computer Economics, einem Forschungsunternehmen im US-Bundesstaat Kalifornien. Die Produktivitätsverluste beim ersten Angriff des Computerwurmes würden auf 450 Mill. $ geschätzt.

"Code Red" hatte in der vergangenen Woche rund 300 000 Websites infiziert, darunter auch einge der US-Regierung. Der Virus, nach einem bei Computer-Programmierern beliebten, koffeinhaltigen Getränk benannt, nutzt ähnlich wie der berüchtigte "I-Love-You"-Virus das Internet, um sich innerhalb weniger Tage um den ganzen Erdball zu verbreiten. Der "I-Love-You"-Virus hatte im Mai vergangenen Jahres weltweit E-Mail-Systeme blockiert, Server lahm gelegt und Schäden in Milliarden-Höhe verursacht.

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