Gefangene glücklich über IRKR-Besuch
Westliche Diplomaten wollen Montag nach Kabul fliegen

Drei westliche Diplomaten fliegen nach Angaben der deutschen Botschaft in Islamabad am Montag in die afghanische Hauptstadt Kabul, um die inhaftierten Entwicklungshelfer zu besuchen. "Wir haben eine Flugreservierung für 16.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ)", sagte der Diplomat Helmut Landes in Islamabad.

Reuters ISLAMABAD. Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) würden sich am Montag mit Vertretern der radikal-islamischen Taliban treffen, sagte ein IKRK-Sprecher in Kabul. Die Mitarbeiter der deutschen Hilfsorganisation Shelter Now International waren vor drei Wochen unter der Vorwurf der christlicher Missionierung festgenommen worden. In Haft sind vier Deutsche, je zwei Australier und US-Bürger und 16 Afghanen.

Die radikal-islamische Taliban-Regierung teilte Reuters mit, sie sei bereit, den drei Diplomaten sowie zwei Verwandten der beiden amerikanischen Inhaftierten Visa auszustellen. Ob die Verwandten allerdings mit nach Kabul fliegen würden, war nach Angaben aus Diplomatenkreisen nicht klar.

Landes und Diplomaten aus Australien und den USA waren am Dienstag vergangener Woche nach Ablauf ihrer Visa aus Kabul zurückgekehrt. Sie hatten sich eine Woche lang vergeblich um einen Besuch bei den Inhaftierten bemüht.

Vertreter des IKRK hatten am Sonntag erstmals die ausländischen Gefangenen, zwei Männer und sechs Frauen, besucht. Die Gefangenen seien "glücklich" über den Besuch gewesen, sagten IRKR-Vertreter. Der Sprecher der unabhängigen Hilfsorganisation, Mario Musa, sagte, es sei üblich, dass einem Besuch der IKRK-Vertreter bei den Gefangenen ein Treffen mit Vertretern der Behörden folge. Die Gespräche seien streng vertraulich. Weiter sagte Musa, die IKRK-Mitarbeiter hätten Nachrichten der Inhaftierten für ihre Familien mitgenommen. Diese seien unverschlossen und von den Taliban-Behörden gelesen worden.

Nach Angaben der Taliban wurden bei den verhafteten Ausländern zahlreiche christliche Bücher, Kassetten und Disketten gefunden. Dies beweise, dass sie in dem streng islamischen Land für das Christentum missionierten. Missionierung für andere Religionen als den Islam kann nach dem in Afghanistan geltenden islamischen Recht mit dem Tod bestraft werden.

Die Taliban haben 1996 die afghanische Regierung gestürzt und kontrollieren rund 95 % des Landes. Ihre Regierung wird nur vom Nachbarland Pakistan sowie von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt. Deutschland hat keine Botschaft in Afghanistan und unterhält Kontakte zu dem Land über Pakistan.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%