Gefangene möglicherweise nach Kandahar verschleppt
Taliban bringen Shelter-Now-Mitarbeiter aus Kabul weg

Bei ihrem Rückzug aus Kabul haben die Taliban die acht ausländischen Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now mitgenommen. Sie seien in Richtung Süden abgefahren, sagten Augenzeugen am Dienstag. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, über den Verbleib der Gefangenen sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts bekannt.

ap KABUL. Berichte, wonach sie in die rund 400 Kilometer südlich gelegene Taliban-Hochburg Kandahar verschleppt wurden, könnten weder bestätigt noch dementiert werden.

Das Gefängnis, in dem die vier Deutschen, zwei Amerikanerinnen und zwei Australier zuletzt festgehalten worden waren, blieb verlassen zurück. Alles deutete auf eine überstürzte Abreise hin - offenbar zur Überraschung der Inhaftierten, die nach Angaben eines Wachmanns mit ihrer Freilassung rechneten. "Sie waren sehr glücklich, weil sie dachten, sie würden befreit", sagte Abdul Raouf.

Die sechs Frauen und zwei Männer wurden in zwei getrennten Räumen gefangen gehalten. In der Zelle der Frauen standen nur vier Betten. Kissen lagen auf dem Boden, was darauf hindeutete, dass zwei der Frauen auf dem Boden schlafen mussten. In einem Regal blieben einige persönliche Dinge und Kosmetikartikel zurück.

"Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie sie abgefahren sind", sagte Wachmann Adschmal Mir der Nachrichtenagentur AP. Die Ausländer seien in ein schwarzes Geländefahrzeug gebracht worden, das noch in der Nacht zum Dienstag Kabul verlassen habe. Sie hätten sich in guter Verfassung befunden, sagte Mir. Sein Kollege Raouf sagte, die Wachleute hätten die Gefangenen gemocht. "Ich denke, sie sind wohlauf, weil die Taliban sie sehr gut behandelt haben."

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes teilte mit, Mitarbeiter auf unterschiedlichen Ebenen seien dabei, die Informationen über die Verschleppung der Gefangenen zu überprüfen. Noch am Montag habe ein Bote dem Auswärtigen Amt Briefe der vier inhaftierten Deutschen überbracht, die von Mitte vergangener Woche datierten. Danach gehe es ihnen den Umständen entsprechend gut. Durch den Rückzug der Taliban aus Kabul sei offenbar eine völlig neue Situation entstanden.

Die Shelter-Now-Mitarbeiter waren am 3. und 5. August verhaftet worden. Ihnen wurde christliche Missionsarbeit vorgeworfen. Am Montag hatte ein Vertreter des obersten Gerichts der Taliban erklärt, der Prozess gegen die Ausländer sei auf unbestimmte Zeit vertagt worden, damit das Urteil nicht von den US-Luftangriffen beeinflusst werde.

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