Gefangenenhilfeorganisation macht Staat verantwortlich
Erster Häftling in Türkei bei Hungerstreik gestorben

ap ANKARA. Der erste von 250 Häftlingen in der Türkei, die gegen ihre Verlegung in andere Haftanstalten protestieren, ist am Mittwoch an den Folgen seines seit 60 Tagen dauernden Hungerstreiks gestorben. Wie die Gefangenenhilfeorganisation Özgür Tayad mitteilte, starb der 28-jährige Cengiz Soydas im Sincan-Gefängnis von Ankara. Er gehörte wie die anderen hungerstreikenden Gefangenen der linksradikalen Partei Revolutionäre Volksbefreiungsfront an.

Inhaftierte Front-Mitglieder hatten im November mit Hungerstreiks begonnen, mit denen sie gegen ihre Verlegung aus Gefängnissen mit Großraumzellen in Haftanstalten mit Einzel- und Dreimann-Zellen protestieren wollten. Die Häftlinge befürchten, in den kleineren Zellen schutzlos der Willkür des Gefängnispersonals und Folterungen ausgesetzt zu sein. Angehörige von Häftlingen haben mehrmals berichtet, dass ihre Angehörigen in den neuen Zellen geschlagen worden seien. Internationale Menschenrechtsorganisationen haben eine Untersuchung der Vorgänge gefordert. Das Justizministerium bestreitet die Vorwürfe.

Nach Angaben des türkischen Privatsenders NTV haben in einem Gefängnis in Edirne (Adrianopel) an der bulgarischen Grenze drei im Hungerstreik befindliche Häftlinge Schlaganfälle erlitten. Özgür-Tayad-Sprecher Erdal Güzel sagte, den Tod Soydas' und die anderen Fälle habe der türkische Staat verschuldet. Er warnte davor, dass noch weitere Gefangene sterben würden, wenn die Behörden der Gewalt und der Isolation in den Haftanstalten nicht ein Ende bereiten würden.

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