Gefechte an Kaschmir-Grenze verschärfen sich
Bush drängt Indien und Pakistan zum Dialog

US-Präsident George W. Bush hat angesichts der angespannten Lage in Kaschmir die Regierungen Indiens und Pakistans aufgefordert, das Kriegsrisiko zu verringern. Die beiden Politiker sollten einen Dialog starten.

Reuters WASHINGTON. Bush habe in Telefonaten mit dem indischen Ministerpräsidenten Atal Behari Vajpayee sowie mit dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf unterstrichen, dass ein Dialog zwischen beiden Ländern erforderlich sei, sagte ein Sprecher Bushs am Abend in Washington. Bush habe darauf gedrungen, dass beide Länder Schritte unternähmen, um die Spannungen abzubauen.

Aus indischen Militärkreisen verlautete, am Mittwoch sei es an der Grenze in Kaschmir erstmals zu einem regelrechten Gefecht mit schweren Waffen zwischen beiden Armeen gekommen. Indien habe auf die Beschießung aus Pakistan reagiert. Ob es Verletzte gab, war unbekannt. Bisher gab es fast täglich kleinere Scharmützel, nachdem beide Länder an ihrer Grenze mehr als eine Million Soldaten aufmarschieren ließen. Indien und Pakistan haben bereits zwei Mal Krieg um Kaschmir geführt. Da beide Länder Atomwaffen besitzen, gab es vor allem bei den USA und Russland Befürchtungen, die zerstrittenen Nachbarn könnten sie auch einsetzen.

Vajpayee sagte am Mittwoch, es gebe noch viele Vorschläge, um eine militärische Konfrontation zu verhindern. Zuvor war der Vorschlag Indiens auf gemeinsame Grenz-Patrouillen von Pakistan abgelehnt worden. Über gemeinsame Kontrollen könne geredet werden, sobald Pakistan sein Versprechen erfüllt habe, das Einsickern von Extremisten in den indischen Teil Kaschmirs zu unterbinden, sagte Vajpayee im kasachischen Almaty, wo er an der Sicherheitskonferenz asiatischer Staaten teilgenommen hatte. Auf der Konferenz war es trotz intensiver russischer Vermittlungsbemühungen zu keiner direkten Begegnung Vajpayees mit Musharraf gekommen.

Auf der Sicherheitskonferenz hatte Musharraf den indischen Vorwurf zurückgewiesen, Pakistan fördere den gegen Indien gerichteten "grenzüberschreitenden Terrorismus", indem es die Moslem-Extremisten in Kaschmir unterstütze. Pakistan werde nicht erlauben, dass sein Territorium für Terrorakte genutzt werde, versicherte Musharraf. Vajpayee hat von Pakistan ein entschiedeneres Vorgehen gegen Extremisten und die Auflösung von Lagern der Moslem-Extremisten im pakistanischen Teil von Kaschmir verlangt. Zugleich hatte Vajpayee versichert, Indien bleibe an einer Problemlösung durch Dialog interessiert.

Die Spannungen zwischen Indien und Pakistan hatten sich nach einem Anschlag von Kaschmir-Rebellen auf ein indisches Armeelager im Mai mit Dutzenden von Toten verschärft. Nach indischen Angaben wurden allein heute bei neuerlichen Gewalttaten 13 Menschen getötet, darunter neun Rebellen, die für den Anschluss ganz Kaschmirs an Pakistan kämpfen. In den nächsten Tagen will US-Vizeverteidigungsminister Richard Armitage bei Besuchen in Indien und Pakistan eine neue Runde internationaler Diplomatie zur Lösung des Kaschmir- Konflikts einleiten. Mit dem Besuch wollen die USA zugleich den für nächste Woche angekündigten Besuch von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Indien und Pakistan vorbereiten.

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