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Gefechte zwischen Israel und Palästinensern

Ungeachtet der US-Aufforderung zum Rückzug ist die israelische Armee am Mittwoch weiter im Westjordanland vorgerückt. Im Schutz der Dunkelheit stießen Panzer und Soldaten in das palästinensische Dorf Beit Reema vor.

rtr RAMALLAH. In Bethlehem kam es zu heftigen Gefechten zwischen der Armee und bewaffneten Palästinensern. US-Präsident George W. Bush hatte zuvor in einem Gespräch mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres den Rückzug der Armee aus palästinensischen Gebieten gefordert. Peres sagte in Washington, Bush habe den Abzug der israelischen Armee angesprochen, "und wir haben gesagt, das ist unsere Absicht".

Ein palästinensischer Arzt berichtete, die israelische Armee habe bei ihrem Vorstoß in dem nahe der Stadt Ramallah gelegenen Dorf Beit Reema auch Kampfhubschrauber eingesetzt. Mehrere Menschen seien verletzt worden. Berichten zufolge habe es auch Tote gegeben. Die israelische Armee bezog Stellungen in dem Dorf und nahm mehrere Personen fest. In Beit Reema gebe es eine "breite terroristische Infrastruktur", hieß es in einer Erklärung.

In Bethlehem hat sich die Armee die schwersten Gefechte seit der Besetzung der Stadt in der vergangenen Woche geliefert. Die israelische Armee teilte mit, sie habe in der Stadt das Feuer von Palästinensern erwidert, die den Jerusalemer Außenbezirk Gilo beschossen hätten. Dutzende von israelischen Raketen erhellten den Himmel über Bethlehem. Medizinische Vertreter aus der Stadt sagten, zwei Palästinenser seien verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden. In der Stadt Tulkarm wurden in der Nacht palästinensischen Angaben zufolge drei Palästinenser bei einem israelischen Angriff getötet. Die israelische Armee teilte mit, die Soldaten hätten drei bewaffnete Männer entdeckt und das Feuer auf sie eröffnet.

Bush sagte am Dienstag in Washington, er habe Peres die Besorgnis der USA über die israelische Truppenpräsenz in den Palästinensergebieten mitgeteilt. Israel solle sich so schnell wie möglich zurückziehen. Er rief Palästinenser-Präsident Jassir Arafat erneut dazu auf, palästinensische Gewalttäter festnehmen zu lassen.

Ungewöhnlich scharfe Kritik der USA

Die israelische Armee hatte nach den tödlichen Schüssen auf Tourismusminister Rehawam Seewi in der vergangenen Woche in mehrere palästinensische Städte besetzt und eingekreist. Die USA hatten das Vorgehen in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Israel fordert von den Palästinenserbehörden die Auslieferung der Attentäter. Ein hochrangiger Sicherheitsvertreter der Palästinenser sagte am Dienstagabend, die Polizei habe 30 Mitglieder der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) verhaftet, die sich zu dem Anschlag auf den Seewi bekannt habe. Seit dem Anschlag wurden mindestens 35 Palästinenser getötet.

Peres sagte, Israel werde seine Armee auf die vorherigen Positionen zurückziehen und mehr als glücklich darüber sein, "in dem Moment, in dem die Palästinenser das Recht einführen und die größten Unruhestifter ins Gefängnis bringen". Bush habe zudem darauf hingewiesen, dass die anhaltende Gewalt im Nahen Osten das Bemühen der USA um eine internationale Koalition gegen Terrorismus erschwerten.

Israels Verteidigungsminister Binjamin Ben-Elieser erklärte in Jerusalem, Israel habe nicht die Absicht, die Gebiete für längere Zeit zu besetzen "oder die Palästinenser-Regierung zu stürzen". "Die israelische Armee wird sofort abziehen, wenn wir auf Seiten der Palästinenser-Behörde einen ernsthaften Versuch sehen, die Ordnung herzustellen und ein Ende der Gewalt herbeizuführen."

In einer von der Tageszeitung "Jedioth Ahronoth" am Mittwoch veröffentlichten Umfrage sprachen sich 68 % der Befragten gegen den von den USA geforderten Rückzug aus.

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