Archiv
Gefeierter Hitzfeld sichert Bayern Millionen

München (dpa) - 63 000 Fans feierten Ottmar Hitzfeld beim emotionalen «Finale» im Olympiastadion nach sechs Jahren Bayern München und bereiteten dem erfolgreichsten Trainer des Rekordmeisters nach dem unrühmlichen Trennungsakt den verdienten würdigen Abschied.

Der 55-Jährige kämpfte gegen Tränen der Rührung an, machte mit den Anhängern «La Ola» und konnte nach dem 2:0 gegen den SC Freiburg eine für ihn «glorreiche Zeit» wenigstens als Vizemeister beenden. «Das waren ergreifende Momente, die ganz tief ins Herz gehen», bekannte Hitzfeld. Er schrieb die Zuneigung der Fans allerdings nicht nur den acht großen Titeln während seiner Amtszeit zu: «Ich war immer fair - auch gegenüber den Spielern. Auch die Fans schätzen, dass man Menschlichkeit zeigt.»

Nach dem Abpfiff umarmte er jeden seiner Spieler, gemeinsam mit dem Vorstand begoss man am Abend in einem Münchner Lokal eine Saison ohne Titelgewinn. Mit dem 129. Sieg im 204. Bundesliga-Spiel unter seiner Regie konnte Hitzfeld seinem Arbeitgeber noch einen letzten Dienst erweisen, die direkte Champions-League-Qualifikation ist mehr als zehn Millionen Euro wert. «Drei Punkte, zweiter Platz, finanziell war es ein gutes Jahr für den Verein», kommentierte Hitzfeld.

Es war sein Tag, aber er ließ Raum für zwei tolle Nebenrollen. Es passte, dass Sebastian Deisler (18.) und Bixente Lizarazu (73.) die Tore schossen. Deisler bedankte sich mit dem 1:0 bei Hitzfeld dafür, dass dieser ihn erstmals nach seiner schweren Krankheit wieder für die Startelf nominiert hatte. «Für mich ist es ein Neuanfang, für den Trainer ein Abschied. Es ist traurig, dass er geht. Er ist der beste deutsche Trainer», sagte Deisler. Der französische Welt- (1998) und Europameister (2000) Lizarazu, der nach sieben Bayern-Jahren mit Elfmetertor und Ehrenrunde die Bundesliga verließ, dankte ebenfalls dem Coach: «Das war ein perfektes Ende. Die Zeit mit Ottmar war unglaublich. Ich bin stolz, ein Teil davon gewesen zu sein.»

Das «Finale» belegte aber auch, warum die Ära Hitzfeld von der Vereinsführung vorzeitig beendet worden ist. Gegen die harmlosen Freiburger, die bis auf einen Pfostenschuss von Soumaila Coulibaly (37.) nichts zu bieten hatten, bot die Mannschaft nicht mehr als Pflichterfüllung. Hitzfeld brachte die ausgefallene Gala selbst auf den Punkt, als er den zur Halbzeit mit Knieproblemen ausgewechselten Deisler lobte: «Auch mit Übergewicht ist er ein wertvoller Spieler.»

Sogar Franz Beckenbauer wollte den Tag des Abschieds nicht trüben und sprach von «einem netten Fußballspiel». Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge tat sich angesichts der schwunglosen Vorstellung leicht, Hitzfelds Ablösung «nach zumindest fünf sehr erfolgreichen Jahren» zu rechtfertigen: «So ist das Geschäft: Wir müssen als Vorstand eine Analyse machen. Wenn die negativ ausfällt, muss man handeln.»

Darum heißt es: Hitzfeld raus, Magath rein! Schon einen Tagen nach der Partie gegen Freiburg sollten mit dem neuen Trainer die Planungen für die Saison 2004/05 abgestimmt werden. Neben dem bereits verpflichteten Stürmer Vahid Hashemian (VfL Bochum) werden Weltmeister Lucio (Bayer Leverkusen), Torsten Frings (Borussia Dortmund), Deco (FC Porto) und Benjamin Lauth (1860 München) als mögliche weitere Zugänge gehandelt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%