Gefeuerter Fondsmanager gründet erfolgreichen Hedge Fund
Von einem verfrühten Bären, der den Bullen davon lief

Tony Dye war ein Bär in einem Bullenmarkt. Leider hatte der frühere Investment-Chef der Londoner PDFM, einer Tochter von UBS Asset Management, fünf Jahre zu früh auf fallende Kurse gesetzt. Weil er sich weigerte, den Bullen hinterher zu rennen, musste Dye gehen. Doch jetzt, nachdem sich der Wind gedreht hat, beginnt der Stern von Dye langsam wieder zu leuchten.

LONDON. Der Hedge Fund, den der 54jährige im März 2001 gegründet hat, konnte bis Ende Oktober eine Rendite von satten 21% vorweisen. Zum Vergleich: Der Aktienindex FTSE 100 ist im gleichen Zeitraum um 28% gefallen. 110 Mill. Euro verwaltete Dye bereits, die er hauptsächlich in britische Aktien investiert. Und mindestens einer seiner früheren Kollegen von PDFM hat schon bei ihm Geld angelegt. "Es ist schön wieder oben zu sein, wenn man mal ganz unten war", sagt Dye.

Seine Leidens-Zeit begann 1995. Zuvor gehörte der Anlageexperte zu den besten Fondsmanagern auf der Insel. Doch ausgehend von historischen Bewertungen kam Dye 1995 zu dem Schluss, dass ein Crash bevorstehe. Also schichtete er einen Teil der Anlagen von insgesamt 50 Mrd. Pfund (umgerechnet 78 Mrd. Euro) aus Aktien in Cash um. Viel zu früh. Die Investoren von PDFM sahen andere Fonds an sich vorbeiziehen, machten immer mehr Druck. Er hielt sein Vorgehen für eine vernünftige Strategie. Anfang 2000, zwei Monate vor dem spektakulären Zusammenbruch der Technologieaktien, gab Dye schließlich entnervt auf und räumte seinen Schreibtisch. Er hatte stur an seiner Überzeugung festgehalten, dass ein Crash bevorstehe. "In vielem hat Tony hinterher recht behalten", erinnert sich George Henshilwood von der Pensionsfonds-Beratung Hymans Robertson. "Wir haben später alle erfahren müssen, dass der Kaiser keine Kleider hatte."

Dye ist auch heute noch vergleichsweise pessimistisch eingestellt. "Die Märkte haben die Blase noch immer nicht ganz hinter sich gelassen", betont er. "Viele Kennziffern in den USA sind im historischen Vergleich nach wie vor sehr hoch." Er ist vor allem darüber beunruhigt, dass viele Banken die Risiken aus schlechten Krediten über Kredit-Derivate an Versicherungen abgewälzt haben. Und Dye glaubt, dass sich die Anleger an magere jährliche Renditen von 3% für US-Aktien und 4,5% für britische Papiere gewöhnen müssen. Für die Engländer sehe es nur deshalb besser aus als in Amerika, weil das Land weniger verschuldet sei.

Die Anlagestrategie des Managers gründet auf einer einfachen Annahme: Aktien von Firmen, die heute schlechter als die Indizes abschneiden, werden in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich besser sein - und umgekehrt. Das gelte allerdings nur für große Unternehmen. Beobachter bezweifeln freilich, dass es Dye gelingen wird, mit seinem Hedge Fonds auch in guten Börsenzeiten erfolgreich zu sein. "Wer weiß, wie Tony abschneidet, wenn wir wieder einen Bullenmarkt haben", fragt ein besorgter Investor. "Ich glaube nicht, dass er die anderen dann schlagen kann."

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