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Gefühl und Wirklichkeit

Der Internet-Boom hat eine Comeback-Chance. Die Mitarbeiter haben den Blues.

Der Abgesang auf den Boom des Internets hat noch immer kein Ende gefunden. Und so wie es aussieht, wird es auch noch einige Zeit dauern, bis sich alle Beteiligten von dem nachhaltigen Schock erholt haben, der sich vor allem im Totalausverkauf einstiger Hoffnungsträger an den internationalen Börsen manifestierte.

Nachdem die Informationsflut der Zahlen und Fakten, die sachlich und emotionslos eine klare Sprache sprechen, verebbt ist, bleibt Zeit, den Blick auf die Gefühle zu richten. Denn auch die gehören zur Wirtschaft, auch wenn es nicht jedermann so richtig wahr haben will. Emotionen gehören ja angeblich nicht ins Tagesgeschäft. Nur wer "tough" ist, kommt weiter, bleibt glaubhaft - und bekommt eine zweite Chance.

Dabei ist es doch ganz offensichtlich, dass für die meisten Menschen (zumal die aus der Internet-Gründergeneration) in der New Economy das Gefühl an erster Stelle stand. Wenn ehemalige Shooting-Stars heute in Medien und Umfragen der nächsten Generation darüber berichten, wie es denn so war, ein Internet-Pionier zu sein, dann ähneln sich die Geschichten ganz auffällig.

Spaß an der Arbeit, das unvergleichliche "Wir-Gefühl" (durchaus auch "Wir - gegen die Old Economy"), das war das Besondere, das ganz Andere. Dazu kam die Tatsache, dass der Arbeitsplatz eigentlich keiner war, sondern eher der Treffpunkt einer großen, zumeist glücklichen Familie.

Doch der Trend zur Großfamilie ist statistisch gesehen schon seit dem Ende des zweiten Weltkriegs stark rückläufig und auch die Sache mit dem Glück dürfte schon immer ein eher individuelles Sondermodell gewesen sein. Trotzdem zeigt sich, dass die Werte, die in der Old Economy angeblich schon lange nicht mehr zur Diskussion standen, eine unglaubliche Anziehungskraft hatten. Flache Hierarchien, gemeinsame Ziele und ja, Gefühle.

Der Motor der New Economy war das Lebensgefühl, nicht (nur) die Hoffnung, schnell reich und berühmt zu werden. Die Sehnsucht nach diesem Gefühl wird bleiben, die Hoffnung wird man wohl begraben müssen.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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