"Gegacker von Hühnern auf den Hinterhöfen"
Wachsende Verärgerung in CDU-Spitze über Quertreiber

Das CDU-Präsidium hält ungeachtet aller parteiinternen Kritik am bisherigen Zeitplan für die Nominierung des Kanzlerkandidaten der Union fest. "Das Präsidium hat einmütig noch einmal den Fahrplan bestätigt", sagte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer am Montag in Berlin nach einer Sitzung des Gremiums.

Reuters BERLIN. CDU-Chefin Angela Merkel habe auch den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) bereits wissen lassen, dass es bei dem Zeitplan bleibe, nach dem erst Anfang nächsten Jahres eine Entscheidung über die Kandidatur fallen soll. Aus der Führung der CDU Baden-Württembergs war Kritik an diesem Vorgehen laut geworden. Nach Angaben von Teilnehmern der Präsidiumssitzung sind die Meinungen dazu im baden-württembergischen Landesverband aber durchaus unterschiedlich. Merkel werde am Wochenende auf einem Landesparteitag der Südwest-CDU das Ihrige dazu sagen. Meyer verwies darauf, dass bei der Sitzung des Bundespräsidiums drei Vertreter des baden-württembergischen Landesverbands anwesend gewesen seien und das Festhalten am Terminplan mitgetragen hätten. Danach würden Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber Anfang nächsten Jahres einen Vorschlag vorlegen.

Teufel nahm nicht an der Präsidiumssitzung teil. Aus seinem Landesverband waren die stellvertretende Bundesvorsitzende Annette Schavan, der frühere CDU-Chef Wolfgang Schäuble und der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Repnik, zur Sitzung nach Berlin gekommen.

Meyer: Einheitliche Linie finden

Meyer forderte die Schwesterpartei CSU dazu auf, zur Kandidatenfrage eine einheitliche Linie zu finden. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Michael Glos, hatte Schäuble als möglichen Anwärter auf die Kandidatur neben Merkel und Stoiber ins Spiel gebracht. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel hatte Kritik Merkels am Verhalten der CSU in der "Süddeutschen Zeitung" mit dem Kommentar versehen, bei der Parteichefin lägen "die Nerven blank". Dies wurde unter Präsidiumsmitgliedern zurückgewiesen: "Bei uns liegen keine Nerven blank. Es ist in großer Ruhe diskutiert worden."

Auf die Frage, ob Schäuble im Präsidium nach seiner Bereitschaft zu einer Kandidatur gefragt worden sei, sagte Meyer: "Solange keine Vorschläge der Vorsitzenden vorliegen, braucht auch keiner gefragt zu werden." Nach Angaben des thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU) machte Schäuble in der Sitzung deutlich, an einem Ende der Debatte interessiert zu sein. Schäuble habe gesagt, dass er nicht alles dementieren könne, wofür ihn jemand vorschlage. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen wurde Schäuble Unbehagen über eine Erweiterung des Kandidatenkreises bedeutet.

Schäuble: Habe mich nicht beworben

Dem "Tagesspiegel" sagte Schäuble, er bewerbe sich nicht und habe sich nicht beworben. "Die Frage, ob man sich zur Verfügung stellt, stellt sich nur, wenn man gefragt wird. Mich hat niemand gefragt", fügte er hinzu.

Der Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Friedrich Merz, hatte Quertreiber in den eigenen Reihen vor der Präsidiumssitzung scharf zur Ordnung gerufen. Der Parteitag der nordrhein-westfälischen CDU vom Wochenende habe deutlich gemacht, "dass die Parteibasis dieses ganze Gegacker von einigen Hühnern auf dem Hinterhof Leid ist". Meyer sagte, die Basis sei "stinksauer". Auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte vor der Sitzung gesagt, niemand könne bestreiten, dass nicht nur viele Wähler, sondern auch viele in Führungsverantwortung genervt seien.

Merkel sagte im Deutschlandfunk und in der ARD, der Zeitplan für die Kandidatur sei vereinbart worden, "weil wir dann beste Chancen haben, Person und Inhalt zusammen zu bringen". Es wäre bedauerlich, wenn sich die Union durch die Debatte über die Kanzlerkandidatur um ihre Chancen als mehrheitsbildende Partei brächte. Mit ihrer Forderung, die Debatte zu beenden, habe sie das ausgesprochen, was Mitglieder und Wähler der Union dächten.

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