Gegen den Abwärtstrend
"Baby-Rover" soll bald auf den Markt kommen

Der britische Autobauer MG Rover will noch in diesem Jahr in das Kleinwagensegment einsteigen. Das preisgünstige Modell, das in Europa zum Einstiegspreis von rund 7 900 Euro auf den Markt kommen soll, wird im indischen Pune Werk hergestellt.

LONDON. Für die Produktion des "Baby Rover" wurde mit dem größten indischen Autokonzern Tata Engineering ein Fünf-Jahres-Vertrag unterzeichnet. Rover bietet momentan nur zwei Mittelklassemodelle (Rover 25 und 45) sowie die Limousine R 75. Rover-Vorbesitzer BMW hatte die Produktion des alten Kleinwagens Metro 100 eingestellt.

Die Briten wollen mit dem Kleinwagen aus Indien den starken Absatzeinbruch in Europa auffangen. Für das neue Auto, das als Konkurrenz zum Ford Ka oder dem Peugeot 106 gesehen wird, wird ein Verkauf von 40 000 Stück im Jahr angepeilt. Mit dem Rover 15 - so der vorläufige Projektname - könnten die Briten das Ziel von 200 000 verkauften Fahrzeugen im Jahr schaffen.

Momentan ist die verlustreiche Marke davon weit entfernt. Seit dem spektakulären Verkauf durch BMW im Mai 2000 ist der Rover-Absatz stetig gesunken. 2001 verkaufte MG Rover insgesamt 171 000 Autos, im vergangenen Jahr dürfte die Zahl nach Einschätzung von Experten auf 150 000 gefallen sein. Selbst in Großbritannien, wo Rover mehr als die Hälfte aller Autos verkauft, ist der Marktanteil auf zwei Prozent geschrumpft - obwohl die Briten 2002 mehr als 2,5 Millionen Neuwagen gekauft haben.

Der neue Kleinst-Rover basiert auf der Plattform des bereits Erfolgreichen Modells Indica, von dem Tata rund 7 000 Stück pro Monat verkauft. Das Rover-Modell wird lediglich nach den Wünschen des britischen Herstellers auf den europäischen Markt angepasst, etwa mit Airbags und ABS, und bekommt das Rover-Zeichen. So schnell und so günstig könne ein in Großbritannien entwickeltes Modell nicht auf den Markt kommen, begründet Rover-Chef Kevin Howe den Vorteil der neuen "Curry Connection".

Auch Professor Garel Ryth, Chef des Centre for Automotive Industry Research in Cardiff, hat viel für die "kluge und pfiffige" Partnerschaft mit Tata übrig: "Der Vertrag bringt MG Rover und den Händlern einen modernen Super-Mini zu einem sehr guten Preis." Allerdings wird über die Zukunft des britischen Autobauers nicht der Kleinwagen aus Indien entscheiden, sondern die Mittelklasse-Nachfolger, die ab 2004 auf den Markt sollen. Vor allem für das veraltete 25-Modell muss ein Ersatz her. Und da hat Rover-Chef Howe noch nicht den richtigen Partner gefunden.

Die Anfang 2002 dafür verkündete Partnerschaft mit dem Autohersteller China Brilliance liegt auf Eis, seitdem Brilliance-Chairman Yang Rong wegen Korruptionsverdacht entmachtet wurde. Der indische "Baby-Rover" soll dagegen schnell auf eigenen Beinen stehen. Das Auto werde bereits in der zweiten Jahreshälfte in Europa über das Rover-Händlernetz vertrieben, erklärt die MG Rover-Zentrale in Longbridge. Dort laufen inzwischen jedoch die Gewerkschaften gegen die Pläne Sturm. Im Rover-Stammwerk sind von ehemals 13 000 nur noch 6 500 Arbeiter beschäftigt. Sie fürchten eine Job-Verlagerung von Großbritannien nach Indien.

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