Gegen Rentenreform
Zweiter Streiktag in Frankreich legt Verkehr erneut lahm

In Frankreich haben mehrere Gewerkschaften am Mittwoch ihre Streikaktionen fortgesetzt und damit den Schienenverkehr im Großraum Paris erneut weitgehend lahm gelegt.

rtr PARIS. Auch am Donnerstag sollen die Streiks bei der Pariser Verkehrsgesellschaft RATP weitergehen. Eine entsprechende Mehrheitsentscheidung der Gewerkschaftsmitglieder weckte Befürchtungen, dass es zu länger anhaltenden Ausständen kommen könnte. Die am Dienstag begonnenen Proteste richten sich gegen die Rentenreformpläne der Mitte-Rechts-Regierung und gelten als Härtetest für deren Chef Jean-Pierre Raffarin. Am Abend sollten Gewerkschafts- und Regierungsvertreter zu Gesprächen über die Reformpläne zusammenkommen. Arbeits- und Sozialminister Francois Fillon schloss aber Konzessionen an die Gewerkschaften aus.

Auf den meisten Strecken in Paris fahre nur jede zehnte U-Bahn nach Plan, teilte die RATP mit. Pendlerzüge in die Pariser Vorstädte verkehrten auf den meisten Strecken überhaupt nicht. Züge in den Norden der Hauptstadt fuhren nach Angaben der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF nur noch im Stundentakt.

Viele Pendler traf der Ausstand völlig unvorbereitet, weil sie nicht mit einer Forsetzung des Streiks gerechnet hatten. "Ich habe es bis nach Paris geschafft, aber dort gab es keine U-Bahnen. Also fahre ich wieder nach Hause", sagte eine Passantin am Pariser Nordbahnhof. "Es stimmt, dass Züge großen Einfluss auf das Leben von Menschen und auf die Regierung haben. Deshalb ist es möglich, dass der Streik fortgesetzt wird, aber ich hoffe nicht."

Am Vortag hatten sich mehr als eine Million Menschen an den größten landesweiten Streiks seit Jahren beteiligt. Dabei waren der landesweite Zug- und Flugverkehr fast zum Erliegen gekommen. Fluggesellschaften wie die Deutsche Lufthansa hatten zahlreiche Flüge gestrichen. Hier zeichnete sich am Mittwoch eine allmähliche Normalisierung ab. Im Südosten fuhren allerdings noch immer nur die Hälfte der geplanten Züge.

Bei den Gesprächen mit der Regierung am Abend sollten die Gewerkschaften nicht mit großen Änderungen an den Reformplänen rechnen, sagte Arbeitsminister Fillon nach einem Kabinettstreffen. "Ich werde nichts zurücknehmen." Die Pläne sollen am 28. Mai vom Kabinett gebilligt werden. Für den 25. Mai haben die Gewerkschaften erneut zu einem landesweiten Streik aufgerufen.

Nach dem Willen der Regierung sollen die Franzosen in Zukunft länger als bisher in das staatliche Rentensystem einzahlen, um den vollen Rentenanspruch zu erwerben. Bei Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes soll der Zeitraum zunächst auf 40 von derzeit 37,5 Jahren angehoben werden und damit den Bedingungen für Beschäftigte im privaten Sektor angeglichen werden. Bis 2020 soll die Dauer für alle auf 42 Jahre verlängert werden.

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