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Gegen Wirtschaftsspionage hilft nur Selbstschutz

Schön, dass Sie diese E-Mail lesen. Sonst wäre sie auch umsonst geschrieben. Nun ist aber E-Mail nicht gleich E-Mail, und nicht jede E-Mail soll für jedermann lesbar sein - wie die E-Mail-täglich.

So beklagte Airbus-Industries 1994, ein Großauftrag mit Saudi-Arabien sei deswegen kurz vor Abschluss geplatzt, weil der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) das Geschäft im Netz verfolgt und den Konkurrenten Boeing unterrichtet habe. Einige Jahre später soll der französische Geheimdienst Siemens ein lukratives Geschäft mit Südkorea abgeluxt haben, indem er kräftig lauschte und Preisvorstellungen weitergab. Letztendlich kauften die Südkoreaner nicht den ICE, sondern den TGV.

Nach dem Ende des Kalten Krieges haben die Geheimdienste offenbar ein neues Betätigungsfeld gefunden: staatlich finanzierte Wirtschaftsspionage. Glaubt man dem britischen Journalisten Duncan Campbell, dann fangen die NSA und der britische Geheimdienst vom bayerischen Bad Aibling aus Telefongespräche, Faxe und E-Mails ab, werten sie aus und geben die Informationen an die Wirtschaft weiter.

Tonnenweise Informationsmüll muss da rauskommen, aber auch sensible Informationen, meinen die Abgeordneten des Europaparlaments, die sich in einem Untersuchungsausschuss mit den Vorwürfen des britischen Journalisten und Wissenschaftlers beschäftigen. Für sie haben sich die Hinweise verdichtet, nach dem Ende des Kalten Krieges werde das Echelon-System in Bad Aibling für Wirtschaftsspionage genutzt.

Der frühere CIA-Direktor James Woolsey hatte nicht unbedingt dazu beigetragen, dass Misstrauen zu zerstreuen, als er in einem Zeitungsinterview unumwunden Wirtschaftsspionage einräumte. Bleibt abzuwarten, wie lange man noch den Worten des Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, glaubt: "Von deutschem Boden aus wird keine Wirtschaftsspionage betrieben."

Letztendlich sollten die Unternehmen von der Politik keine rasche Abhilfe erwarten. Beweise für eine Wirtschaftsspionage durch Echelon haben die Europaparlamentarier keine, und es wird auch schwierig sein, welche anzuführen, wenn sie im Mai ihren Abschlussbericht vorlegen. Die Unternehmen kommen nicht darum herum, deutlich mehr in die Sicherung ihres Datenverkehrs zu investieren. Bei der Abwehr von Wirtschaftsspionage sollten sie sich am besten auf sich selbst verlassen.



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