Gegenofferte von Zimmer
Übernahmekampf um Centerpulse entbrannt

Um den Schweizer Medizinaltechnikkonzern Centerpulse ist ein Übernahmekampf entbrannt. Der amerikanische Orthopädiekonzern Zimmer legte am Dienstag eine Gegenofferte zu dem Übernahmeangebot des britischen Konkurrenten Smith & Nephew vor.

Reuters WILMINGTON/ZÜRICH. Zimmer bietet eigenen Angaben zufolge 120 Franken in bar und 3,68 Zimmer-Aktien für eine Centerpulse-Aktie. Das ergebe, so Zimmer, einen Übernahmepreis von 350 Franken je Centerpulse-Titel. Die S&N-Offerte vom 20. März beläuft sich auf 73,42 Franken in bar und 25,15 neue Aktien der S&N Group. Das S&N-Angebot bewertet die Centerpulse-Aktie mit gut 280 Franken. Die Berechnungen hängen aber von den Aktienkursen von S&N und Zimmer sowie auch von den Wechselkursen von Dollars und Pfund Sterling ab.

Gemäss Christoph Gubler, Analyst bei Lombard Odier Darier Hentsch, liegt das Zimmer-Angebot 17 % über dem S&N-Angebot. Die S&N-Aktionäre haben der Übernahme am Montag zugestimmt.

An der Börse schnellten die Centerpulse-Aktien nach der Veröffentlichung des Zimmer-Angebots um 13 % auf 329 Franken in die Höhe.

Die S&N-Offerte war an der Börse von Anfang an als zu niedrig taxiert worden, da sie kaum eine Prämie zum damaligen Börsenkurs aufwies. "Wir haben immer gesagt, dass der von Smith & Nephew angebotene Preis deutlich zu tief ist," sagte George von Wyss von der Vermögensverwaltungsfirma von Braun von Wyss und Müller. Welcher Offerte seine Firma den Vorzug geben wird, wollte von Wyss noch nicht sagen.

Die Beteiligungsgesellschaft Incentive, mit einem Anteil von rund 19 % grösster Centerpulse-Aktionär, wurde offenbar von der neuen Offerte überrascht und will Lage erst einmal prüfen. Offen blieb zunächst die Frage, ob Incentive ihre Centerpulse-Aktien überhaupt ohne weiteres Zimmer andienen kann. Im Angebotsprospekt heisst es nämlich, 77 % des Incentive-Aktienkapitals habe sich verpflichtet, das Smith & Nephew-Angebot anzunehmen. Andere Centerpulse-Aktionäre dürften dagegen zurücktreten können auch wenn sie ihre Aktien S&N bereits angedient haben.

Der nächste Zug liegt nun bei Smith & Nephew. Zunächst blieb offen, ob die britische Gesellschaft ihr Angebot erhöhen wird. Dass Smith & Nephew die Zimmer-Offerte überbieten könnte, ist nach Ansicht des Pictet-Analysten Gubler kaum zu erwarten. "Mehr als 350 Franken ist Centerpulse sicher nicht wert, das ist gerade etwa top". Er rechnet jedoch damit, dass Smith & Nephew mit Zimmer gleichziehen dürfte. Zudem können die Briten darauf setzen, dass das Centerpulse-Management und Incentive sich bisher für die S&N-Offerte stark gemacht haben. Centerpulse-Chef Max Link sollte ebenso wie Incentive-Chef Rene Braginsky bei der neuen S&N in den Verwaltungsrat eintreten.

"Eigentlich muss man sagen, geographisch, produkteweise und finanziell ist es eine bessere Offerte," so Gubler mit Blick auf das amerikanische Angebot. Centerpulse ist vor allem in Europa aktiv, während Zimmer überwiegend in den USA tätig. Für die Arbeitsplätze in der Schweiz dürfte ein Zusammenschluss mit Zimmer vorteilhafter sein. "Smith & Nephew hätten garantiert abgebaut," so Gubler, da beide Firmen vor allem in Europa stark seien. Zimmer sei dagegen in Europa praktisch nicht vertreten.

Zimmer erzielte 2002 einen Umsatz von 1,37 Mrd. Dollar und einen Reingewinn von 258 Mill. Dollar. Centerpulse kam bei einem Umsatz von 1,47 Mrd. Franken auf eine operative Marge (Ebitda) von 23,2 % und einen Gewinn von 337 Mill. Franken. Bei einem Zusammenschluss peilt Zimmer eine operative Marge von über 30 % an.

Über die Vorgeschichte der Zimmer-Offerte gibt es unterschiedliche Angaben. Zimmer-Chef Ray Elliott schrieb in einem offenen Brief, Zimmer habe im Oktober schriftlich ein vorläufiges Übernahmeangebot für Centerpulse abgegeben. Link dagegen hatte erklärt, abgesehen von S&N seien keine konkreten Angebote vorgelegen. Ein Centerpulse-Sprecher erklärte dazu auf Anfrage, die Firma nehme dazu nicht Stellung.

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