Gegenüber dem Dollar
Euro setzt Kurserholung fort

Am Devisenmarkt wächst Händlern zufolge die Überzeugung, dass sich die Konjunktur in den USA stärker abkühlt als bisher angenommen.

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat am Montag seine kräftige Kurserholung fortgesetzt und in der Spitze knapp anderthalb US-Cent gewonnen. Am Devisenmarkt wächst Händlern zufolge die Überzeugung, dass sich die Konjunktur in den USA stärker abkühlt als bisher angenommen. Diese Ansicht werde sich auch nicht ändern, so lange neue US-Wirtschaftsdaten nicht unerwartet kräftig ausfielen, sagte ein Analyst von Bear Stearns in London. Andere warnten, Kursgewinne am amerikanischen Aktienmarkt und Neuigkeiten über die US-Präsidentenwahl könnten den Euro später am Tag belasten. Gegen 13.15 Uhr MEZ notierte die Gemeinschaftswährung mit 0,8889/94 $ etwa einen Cent höher als am Freitagabend. Zuvor hatte der Euro ein Drei-Monats-Hoch von 0,8906 $ erreicht.

Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro mit 0,8874 nach 0,8748 $ am Freitag festgestellt. Der $ verbilligte sich damit auf 2,2040 (2,2357) DM. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 98,42 (97,62) Yen festgestellt und zum Pfund Sterling mit 0,6126 (0,6107) Pfund.

Euro kann das Vertrauen der Märkte gewinnen

"Die Konjunkturindikatoren verweisen klar auf eine stärkere Verlangsamung in den USA, deshalb kann der Euro das Vertrauen des Marktes wiedergewinnen", sagte Mike Moran, Analyst von Standard Chartered in London. Nach Ansicht von Wolfram Hartmann vom Frankfurter Research-Unternehmen Cognitrend ist das marktpsychologische Umfeld derzeit sehr gut für eine Erholung. "Im Moment spricht niemand vom Aufwärtspotenzial des Euro, das wirkt sich positiv aus, auch wenn die Händler der Erholung noch nicht so recht trauen", sagte er.

Der Euro hatte bereits in der vergangenen Woche rund fünf Prozent zum $ aufwerten können. Grund waren mehrere Wirtschaftsdaten, die auf eine merkliche Abkühlung der Konjunktur in den USA schließen ließen. Unter anderem deswegen waren auch die US-Aktienmärkte mehrmals kräftig eingebrochen. Kapital wurde daraufhin in den USA in sichere Staatsanleihen umgeschichtet, aber auch aus dem Dollar-Raum aus Sorge vor Kursverlusten abgezogen.

Wirtschaftsdaten aus USA erwartet

Die Finanzmärkte blicken nun auf weitere Wirtschaftsdaten aus den USA. So wird um 16.00 Uhr MEZ der Absatz neuer Eigenheime im Oktober bekannt gegeben. Volkswirte warnten, die Aufwärtsbewegung des Euro könne schnell wieder ins Gegenteil umschlagen, sollten einige US-Konjunkturdaten doch wieder für ein anhaltend robustes Wachstum sprechen oder die derzeit vermutete "Wachstumsdelle" in der Euro-Zone länger anhalten. "Von einer Trendwende beim Euro kann man noch nicht sprechen. Die Kursgewinne sind mit Vorsicht zu genießen, auch wenn es erste Anzeichen für einen höheren Kapitalzufluss in die Euro-Zone gibt", sagte etwa der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Martin Hüfner.

Der Europäischen Zentralbank (EZB), die im November drei Mal im Alleingang zur Stützung des Euro am Devisenmarkt eingegriffen hatte, rät Hartmann zum Stillhalten. "Der Markt hat jetzt die Chance, sich am eigenen Schopf herauszuziehen", sagte er. Sollte die EZB erneut am Devisenmarkt intervenieren, könne sie kurzfristig die Kurserholung zwar beschleunigen. Zugleich fordere sie jedoch wieder die Spekulanten heraus. Die Markterwartung würde sich dann wieder aufwärts richten und es komme häufiger zu Gewinnmitnahmen.

Nizza-Gipfel entscheidend für Wechselkurs

Während kurzfristig derzeit die Konjunkturdaten dies- und jenseits des Atlantik für den Euro entscheidend seien, beeinflussen Volkswirten zufolge langfristig auch die politischen Rahmenbedingungen in Europa den Wechselkurs. Am kommenden Donnerstag beginnt in Nizza der Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union. Auf der Tagesordnung steht die Reform der EU-Institutionen, die wegen der geplanten Osterweiterung unerlässlich sind. Ein Scheitern des Gipfels könnte den Euro unter Druck bringen, warnten Volkswirte. "Für den Euro ist es wichtig, dass die politische Integration vorangetrieben wird", sagte Jürgen Pfister von der Commerzbank. Aus Sicht von Investoren sei ein zu langes Nebeneinander von Währungsunion und politischer Union ein Standortnachteil.

Am frühen Nachmittag könnten die rechtlichen Auseinandersetzungen um die US-Präsidentenwahl, die mittlerweile fast einen Monat andauern, eine entscheidende Wende nehmen. Nach 14.30 Uhr MEZ will ein Bezirksgericht im US-Bundesstaat Florida eine Entscheidung fällen, ob 14 000 Stimmen noch einmal ausgezählt werden. Aktuell liegt der Stimmenvorsprung des Republikaners George W. Bush im Wahl entscheidenden Bundesstaat bei 537 Stimmen. Die Demokraten hoffen, durch weitere Auszählungen könne dieser Vorsprung schwinden und Al Gore doch noch die Wahl gewinnen.

Gold festigte sich am Montagvormittag beim Londoner Fixing auf 271,15 $ nach 269,20 $ beim vorangegangenen Fising.

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