Gegenwärtige Verunsicherung sei "hausgemacht und selbstverschuldet"
Internet-Guru Ossi Urchs: "Wir befinden uns noch in der mobilen Steinzeit"

"Viele Unternehmen haben in einem maßlosen Hype und gigantischen Euphorie viel Geld vernichtet, obwohl man bei nüchterner Betrachtungsweise hätte sehen können, wohin der Zug rollte", erklärte Urchs, Internet-Guru und profunder Kenner der Branche.

ddp FRANKFURT/MAIN. Nun sei es höchste Zeit, dass den Nutzern und Verbrauchern nicht länger eine Technik übergestülpt, sondern ihre individuellen Bedürfnisse und Vorstellungen erfüllt werden. Dann habe die Telekommunikationsbranche eine "heute noch nicht absehbare Zukunft vor sich", stellte Urchs fest. Noch befänden "wir uns in der Steinzeit der mobilen Kommunikation", egal ob mit dem PC, einem Notebook oder einem Handy.

Es gehe nicht um Technik, sondern Inhalte. Zu viele Anbieter von Technik und Dienstleistungen "haben noch nicht begriffen, dass sich beispielsweise durch das Internet Märkte komplett gewandelt haben und zwar radikal von einem Anbietermarkt zu einem nachfrageorientierten Markt".

"Ansprüche des Individuums besser berücksichtigen"

Zum Beleg für die erfolgreiche Zukunft der mobilen Kommunikation nimmt Urchs einen Vergleich vor: In der Anfangszeit des Autos habe ein Fahrer viele Pannen noch selbst beheben müssen, danach seien Leistungscharakteristika in den Vordergrund gerückt. Heute stehe Lebensgefühl und Nutzwert des Gefährts im Vordergrund, und "kaum einen interessiert doch noch, was sich unter der Motorhaube abspielt". Auch bei der mobilen Kommunikation müssten die Angebote "feiner austariert, die Ansprüche des Individuums besser berücksichtigt werden". Dem Menschen dürfe "nicht eine eben mal aktuelle Technik übergestülpt werden, sondern es ist Aufgabe der Industrie, dem Menschen Angebote zu machen, die sein Leben, sein Arbeitsumfeld verbessern, bereichern". Wer "diese Lektion als erster lernt, wird vorne sein", meint Urchs.

E-Commerce, der direkte Verkauf an Endkunden, sei "nur die Spitze eines Eisberges". Allerdings seien die Probleme, dabei erfolgreich mitzumischen, "ebenso gigantisch wie die Geschäftspotenziale". Wer in dieser Liga mitspielen wolle, müsse "zuvor das eigene Unternehmen entsprechend den Regeln des Internet noch einmal neu aufbauen", sagt Urchs. Sämtliche Geschäftsabläufe müssten auf ihre Internet-Tauglichkeit überprüft und optimiert werden

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Öffnen statt abschotten

Gleiches gelte für alle externen Beziehungen des Unternehmens zu Partnern, Lieferanten und Kunden. An die Stelle der traditionellen Abschottung, etwa zur Wahrung besonders profitabler Geschäftsgeheimnisse trete die Öffnung und Transparenz als Ergebnis einer möglichst intensiven Vernetzung mit allen externen Partnern und Kunden. Je mehr ehemals Außenstehende dadurch zu Teilen eines Unternehmensnetzes würden, desto offensichtlicher und damit erneut größer werde ihre Macht. "Immer mehr sich ihrer entscheidenden Position bewusste Kunden werden sich zu neuartigen Kunden-Kartellen zusammenschließen, wie sie sich heute schon in Konzepten etwa von Letsbuyit.com ansatzweise zeigen."

Aber auch Unternehmen seien "Kunden ihrer Lieferanten auf den Business-to-Business-Marktplätzen im Internet". Auch sie würden "das neu entdeckte Spiel mitspielen wollen - wenn nicht aus Spaß, dann aus Einsicht in die gewandelten Marktverhältnisse", sagt Urchs. Und dabei würden sie auf noch fremdartigere Kartelle treffen, die nur noch von Menschen initiiert, aber von Agenten-Software, den so genannten Softbots betrieben würden. Sie durchsuchten mit unvorstellbarer Geschwindigkeit das gesamte Internet ständig nach Angeboten, die den Wünschen ihrer Auftraggeber entsprächen. "Schon bald werden sie Orders zum Kauf oder Verkauf selbstständig oder nach Bestätigung durch den Mausklick ihres Herrn ausführen", prophezeit Urchs.

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