"Gegenwärtiges Klima der Kritik macht Arbeit unmöglich"
Umstrittener Analyst Grubman gibt auf

Jack Grubman, ehemals Top-Analyst bei Salomon Smith Barney, zuletzt wegen zweifelhafter Interessenverquickungen in die Kritik geraten, gibt dem Druck nach und tritt zurück. Als Abfindung erhält Grubman eine Summe von 32,2 Millionen $.

rtr NEW YORK. Der US-Star-Analyst Jack Grubman von der Citigroup-Tochter Salomon Smith Barney hat dem Druck auf seine Person nachgegeben und mit sofortiger Wirkung gekündigt. Der Analyst, der jedes persönliche Fehlverhalten abstritt, war vor allem für seine Kaufempfehlungen für den inzwischen bankrotten Telekom-Konzern Worldcom kritisiert worden. Grubman steht auch im Zentrum von Ermittlungen des US-Kongresses.

"Das gegenwärtige Klima der Kritik macht es mir unmöglich, meine Arbeit nach den Qualitätsstandards zu leisten, auf die die Kunden von Salomon Smith Barney meiner Meinung nach Anspruch haben", heißt es in dem am Donnerstag Abend verbreiteten Kündigungsschreiben Grubmans. "Ich habe meine Arbeit als Analyst im Rahmen weithin anerkannter Regeln gemacht, die der Praxis dieser Branche entsprechen und jetzt massiv in Zweifel gezogen werden."

Sein Arbeitgeber hatte Grubman bis zuletzt verteidigt. Insbesondere seine positiven Kommentare zum Worldcom-Konzern, der nach dem Eingeständnis von Fehlbuchungen in Milliardenhöhe im Juli Antrag auf Gläubigerschutz stellen musste, brachten Grubman viel Kritik ein.

Der bekannte Wall-Street-Analyst steht ferner im Zentrum von Untersuchungen des US-Kongresses, bei denen es um die Interessenkonflikte bei den führenden US-Wertpapierhäusern geht. Geprüft wird dabei, inwieweit sich diese an die Regel halten, dass die Bereiche Wertpapierhandel und Wertpapieranalyse (Research) strikt getrennt werden müssen.

Wie in solchen Fällen üblich wird Grubman bei seinem Ausscheiden nicht leer ausgehen. Insgesamt könne er, laut Unternehmenskreisen, mit 32,2 Millionen $ rechnen. Dieser Betrag setze sich zusammen aus erlassenen Schulden in Höhe von 19 Millionen $, eingelösten Aktienoptionen im Wert von zwölf Millionen $ und Zahlungen von 1,2 Millionen $, die über die nächsten 18 Monate verteilt werden. Auf dem Höhepunkt der Telekom-Euphorie Ende der 90-iger Jahre hatte Grubman Medienberichten zufolgen mehr als 20 Millionen $ im Jahr verdient.

Salomon Smith Barney hatte Grubman über Monate gegen Kritik verteidigt. "Obwohl er wie andere Branchenexperten den Einbruch des Telekommunikationssektors nicht vorausgesagt hat, gehen wir davon aus, dass (...) er stets das geschrieben hat, was er für richtig hielt, und sich professionell gemäß den rechtlichen und ethischen Anforderungen verhalten hat", schrieb Salomon-Manager Michael Carpenter in einer Mitteilung an die Beschäftigten am Donnerstag.

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