Geglücktes Abenteuer
Investoren haben Vertrauen in Aventis-Aktie gewonnen

Als sich Hoechst und Rhône-Poulenc zum neuen Life-Science-Konzern " Aventis" vereinigten, blieb Medien und Analysten die Assoziation zum französischen "aventure" (deutsch: Abenteuer) nicht verborgen. Die Kombination von zwei schwächelnden Pharma- und Chemiekonzernen war in vielen Augen nicht mehr als eine riskante Notlösung. Nach Vorschusslorbeer war der Börse nicht zumute. Doch mittlerweile hat sie den Applaus nachgeholt.

HB FRANKFURT. Mit einem Kursgewinn von fast 50 Prozent seit Jahresbeginn und einem Plus von 74 Prozent in zwölf Monaten hat der neu formierte Konzern seinen Aktionären eine Spitzenrendite im Pharmasektor beschert. Aventis wird inzwischen höher bewertet als die einstigen Konkurrenten BASF und Bayer zusammen und hat sich mit einer Marktkapitalisierung von mittlerweile 66 Milliarden Euro eine solide Position im Mittelfeld der Branche gesichert. Zusehends haben Investoren Vertrauen gewonnen zu der von Firmen-Chef Jürgen Dormann forcierten Strategie der Konzentration auf Pharma- und Pflanzenschutz.

Zwei Faktoren stehen hinter dem Stimmungswandel: Zum einen die wachsende Zuversicht, dass der Konzern sein Ziel von 1,2 Mrd. Euro Kostensenkung tatsächlich realisieren kann. Zum anderen ein überraschend starkes Wachstum im Hauptarbeitsgebiet Pharma. Gleich reihenweise revidierten Analysten ihre Ertragsprognosen nach oben, nachdem der Konzern für das erste Halbjahr im Arzneimittelgeschäft ein unerwartet kräftiges Umsatzplus von 17 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro vorlegte. Der Patentablauf beim Herzmittel Cardizem, dem früheren Umsatzträger, wurde damit ohne Blessuren verkraftet. Gleichzeitig zeigen die jüngeren Produkte weiterhin starke Wachstumsraten.

Keine Furcht vor dem Patentamt

Aventis verfügt zwar nach wie vor über ein relativ umfangreiches Sortiment an Altprodukten, muss in den kommenden Jahren jedoch keine zusätzlichen Patentabläufe mehr fürchten. Die jüngeren Umsatzträger - Präparate gegen Allergien, Krebs und Durchblutungsstörungen - haben ihr Marktpotenzial noch nicht ausgeschöpft. Gleichzeitig stehen eine Reihe von Neuentwicklungen vor der Zulassung. Dazu gehört u.a. eine lang wirkende Insulin-Variante, ein zusammen mit Pfizer entwickeltes inhalierbares Insulin, ein Medikament gegen Knochenschwund sowie ein neuartiges Antibiotikum. Seine Basis-Forschung hat der Konzern zuletzt durch eine umfangreiche Allianz mit dem US-Biotech-Konzern Millennium verstärkt.

Insgesamt bewerten Analysten die Pipeline des Konzerns heute als solide, wenn auch noch nicht als überragend. Die Aussicht auf langfristig zweistellige Wachstumsraten erscheint daher deutlich besser als noch vor Jahresfrist. Und das vom Management proklamierte Ziel, den Gewinn bis 2002 um jährlich 30 Prozent zu steigern, wird inzwischen auch von den meisten Analystenschätzungen reflektiert. Im ersten Halbjahr konnte Aventis das vergleichbare Nettoergebnis (vor Sonderbelastungen) um gut 60 Prozent verbessern. Die Frage, ob diese Erfolge der Aktie noch weiteren Auftrieb verleihen können, ist damit freilich nicht beantwortet. Es bleibt zu berücksichtigen, dass der aktuelle Kurs die meisten guten Nachrichten bereits enthält. Nachdem die Gewinn-Schätzungen inzwischen auf breiter Front nach oben revidiert wurden, dürfte es dem Management nun schwerer fallen, noch positive Überraschungen zu produzieren. Das gilt vermutlich auch mit Blick auf eine mögliche Abspaltung der Agro-Sparte, über die in Straßburg immer intensiver nachgedacht wird. Das heutige Kursniveau nimmt eine erfolgreiche Konzentration auf Pharma schon vorweg. Der Kapitalmarkt scheint bereits davon überzeugt, dass das "Abenteuer" Aventis zum Happy- End führen wird.

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