Gehälter der Fußballprofis werden sinken – vor allem die der mittelmäßigen
Darf’s ein bisschen weniger sein?

Die Spieler des 1. FC Köln hätten nur noch eine Möglichkeit, an ihr Geld zu kommen, witzelte Harald Schmidt in seiner Late-Night-Show im Hinblick auf die Finanzkrise der Kirch-Gruppe. "Sie müssen sofort in die Kölner SPD eintreten." Ganz so dramatisch ist die Situation wohl nicht. Denn allem Anschein nach wird die am 15. Mai fällige 100-Millionen-Euro-Rate von Kirch an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) pünktlich überwiesen.

DÜSSELDORF. Damit ist die Diskussion um die geplante Staatsbürgschaft in Höhe von 200 Millionen Euro zunächst vom Tisch. Nach der harschen Kritik von Union und FDP war die SPD, von der die Idee stammt, kräftig zurückgerudert. So erklärte Nordrhein-Westfalens Landeschef Harald Schwartau, bei Fußball-Klubs seien bei einer Bürgschaft die gleichen Maßstäbe anzulegen wie bei anderen in Not geratenen Unternehmen. Und deren Beschäftigte müssten vor Gewährung einer Landesbürgschaft einen Gehaltsverzicht leisten.

Die kommende Überweisung dürfte den Profivereinen allerdings nur kurz Luft für die Ordnung ihrer Finanzen verschaffen. Denn der Löwenanteil der Rate zum Saisonabschluss fließt traditionell als Jahresprämien an die Spieler und als Beiträge an die Berufsgenossenschaft, bei der die Profis versichert sind. Zudem müssen die Klubs in der Sommerpause - die diesmal durch die WM besonders lange dauert - auch auf Ticket-Einnahmen verzichten.

Da sich abzeichnet, dass die 36 Vereine der ersten und zweiten Bundesliga in den nächsten beiden Jahren weit weniger TV-Erlöse erhalten werden als eingeplant, sind sie gezwungen, auf die Kostenbremse zu treten. Dabei nehmen sie sich - ganz in Schartaus Sinne - vor allem den größten Kostenblock vor - die Gehälter ihrer Profis. Spielervermittler Gerrit Hartung nennt als Beispiel einen von ihm betreuten Zweitligaspieler, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft. Der Verein, erklärt der Inhaber der GH Sport Management e.K., wolle den Vertrag gerne verlängern - allerdings nur, wenn der Kicker auf bis zu 20 Prozent seines Gehaltes verzichte. Auch an Spieler mit noch laufenden Verträgen sei der Klub mit der Frage herangetreten, ob sie nicht mit weniger Geld auskommen könnten. "Mein Spieler wird darauf nicht eingehen", sagt Hartung, "er hat Alternativen." Weil die meisten Profis ähnlich dächten, werde der Spielermarkt schon bald "überflutet", glaubt der Jurist. Verlierer seien dann die Mittelklassespieler. "Viele werden sich verzetteln und am Ende bereuen, nicht doch bei ihrem alten Verein zu schlechteren Konditionen verlängert zu haben", so Hartung.

Ein Kollege von ihm, der nicht genannt werden möchte, ist gar der Meinung, dass kein Spieler der Liga die derzeit gezahlten Summen wert sei. Er kritisiert auch die Vereine. "Wenn die sich nicht zu echten Wirtschaftsunternehmen entwickeln, dann kommen sie nie mit ihrem Geld aus, egal wie viel sie bekommen". Ein gutes Management bewähre sich erst in der Krise.

Die dürfte jetzt da sein. "Insbesondere gefährdet sind ertragsschwache Vereine mit vielen langfristig gebundenen Spielern und einer schwachen Marke, so dass auch im Bereich Sponsoring und Lizenzen wenig liquide Mittel erzielt werden", sagt Björn Bloching, bei Roland Berger zuständiger Partner für Sportberatung. So suchen noch 16 Erst- und Zweitligisten einen Trikotsponsor für die neue Saison.

Hauptgrund für die Gehaltsexplosion war das so genannte Bosman-Urteil. 1995 entschied der Europäische Gerichtshof, dass Profis, deren Verträge auslaufen, ablösefrei den Klub wechseln können. Das Urteil stärkte die Verhandlungsposition der Spieler, denn nun wollten die Vereine langfristige Verträge abzuschließen. Dazu waren die Profis nur bei entsprechenden Gehältern bereit - vor allem mittelmäßige Spieler konnten zulegen. So soll ein durchschnittlicher Zweitligaspieler gut 150 000 Euro jährlich verdienen. Die meisten der 450 Erstliga-Profis erhalten mehr als 500 000 Euro. Als Top-Verdiener der Liga gilt mit angeblich fünf Millionen Euro Oliver Kahn.

Bei der Frage, ob ein Spieler fristlos kündigen kann, wenn ein Verein wegen der Kirch-Krise seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, greife das normale Arbeitsrecht, sagt Frank Rybak, Justitiar der Profigewerkschaft VdV. "Würden maximal zwei Monate nur 80 Prozent gezahlt werden, der Restbetrag später, so wäre dies wohl zumutbar." Aber bei drei Monaten oder bei einer einseitigen und dauerhaften Senkung des Gehalts durch den Verein könne ein Spieler nach einer Mahnung fristlos kündigen und ablösefrei wechseln. Die Spieler hätten daher ein gewisses "Druckmittel". So könnten dem Verein Millionenbeträge entgehen. Weitere eventuelle Auswirkung auf die Bilanz des alten Vereins: Sollte der den Spieler eingekauft haben, so kann er diese Summe über die Vertragsdauer abschreiben. Bei einem sofortigen Wechsel wäre also eine Sonderabschreibung fällig.

Zu hoch mit einem Wechsel pokern dürfen aber auch Spitzenspieler nicht. Ab 2004 schreibt die Uefa eine strengere Lizenzierung für Klubs vor, die an einem europäischen Wettbewerb teilnehmen wollen. Dies dürfte auch in Italien, Spanien und England zu sinkenden Salären führen, eventuell sogar zu einer Gehaltsobergenze (Salary Cap).

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