Gehälter in den Chefetagen
Kommentar: Transparenz statt Neid

Deutschland hat eine neue Neiddiskussion. Vorstände und Aufsichtsräte verdienen zu viel; der Gesetzgeber sollte sie daher in Zukunft an die kurze Leine legen.

So lautet der Vorwurf in Medien und Politik. Die Diskussion passt gut in eine Zeit, wo dieses Land über die Reformen seiner in Scherben liegenden Sozialsysteme streitet. Tragen nicht auch Unternehmen und ihre Aufseher mit hoch bezahlten Fehlleistungen zur Misere bei?

Kein Zweifel: Vorstände und Aufsichtsräte haben durch ihr Verhalten zum Niveau der Diskussion um die Corporate Governance, also die Normen guter Unternehmensführung, beigetragen. Die Management-Gehälter steigen, obwohl die Gewinne fallen. Manager verdienen - gemessen an ihren Leistungen - mehr als ihre Kollegen im Ausland. Vorstandsvorsitzende rücken nach einer desaströsen Leistung quasi zur Belohnung an die Spitze des Aufsichtsrats. Alle diese Beispiele verletzen Geist und Sinn von Corporate Governance flagrant. Aber rechtfertigt all dies staatliche Eingriffe wie die Festlegung von Gehaltsgrenzen durch den Gesetzgeber? Mitnichten! Ein solcher Schritt wäre nicht nur kontraproduktiv, weil er das Leistungsprinzip außer Kraft setzen würde. Er wäre auch ordnungspolitisch falsch, weil über die Frage der Entlohnung von Vorständen nur die Eigentümer zu entscheiden haben. Genau an diesem Punkt aber gilt es anzusetzen. Wenn der Eingriff der Politik verhindert werden soll, dann müssen Vorstände und Aufsichtsräte glaubhaft beweisen, dass ihnen die Belange und Interessen ihrer Eigentümer, der Aktionäre, wirklich wichtig sind. Lippenbekenntnisse helfen nicht mehr weiter, sondern nur Transparenz und Wettbewerb. Die Bezüge aller Vorstandsmitglieder inklusive aller Nebenvereinbarungen müssen für die Aktionäre im Detail nachvollziehbar sein. Es ist schließlich ihr Geld, das verteilt wird. Und: Die Regeln von Transparenz und Wettbewerb müssen künftig auch für den Aufsichtsrat gelten. Aus der Sicht der Eigentümer ist es nicht befriedigend, wenn sie keinen Einfluss auf die Besetzung des Kontrollgremiums haben. Das heißt: Den Hauptversammlungen sollten künftig mehr Kandidaten zur Wahl gestellt werden, als es Sitze zu verteilen gibt. Dieser Wettbewerb der Kandidaten wird mehr für die Qualität der Aufsichtsratsarbeit tun, als es der Gesetzgeber je könnte.

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