Gehälter sinken
Der Arbeitsmarkt für IT-Kräfte stagniert

Im Gleichschritt mit dem Absatz ist die Nachfrage der IT-Branche nach Arbeitskräften eingebrochen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Beschäftigten in Deutschland nur noch um 0,2 Prozent. In diesem Jahr wird sie voraussichtlich stagnieren. Die Folge: Die Gehälter sinken und Quereinsteiger werden es schwerer haben.

tnt HANNOVER. Den Wachstumseinbruch in der Informationstechnologie schlägt inzwischen auch auf den Arbeitsmarkt durch. In der Halle 10, der Jobbörse auf der weltgrößten Computermesse Cebit, herrschte zwar gestern dichtes Gedränge. Doch zumeist sammelten sich die Menschentrauben vor den Vortragsarenen in denn Themen wie "Welches Wissen ist gefragt" diskutiert werden. Wurden vor zwei Jahren noch jede halbwegs qualifizierte Arbeitnehmer umworben, fallen auf der diesjährigen Cebit nicht selten auch Vokabeln wie "irgendwo Unterkommen".

Auch wenn qualifizierte IT-Fachkräfte nach wie vor gesucht werden, sind an den Ständen der Unternehmen in diesem Jahr weniger Jobs zu vergeben. "Allein durch die sinkende Fluktuation müssen wir in diesem Jahr weniger neue Mitarbeiter suchen", heißt es am Job-Stand der Bayer AG, die weltweit rund 3000 IT-Experten beschäftigt.

Aber auch die Zahl der "Headhunter" ist auf der Cebit in diesem Jahr niedriger als in den Jahren zuvor. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Mummert+Partner ist die Zahl der Bewerberjäger "von rund 150 auf etwa 90 gesunken".

Anforderungen an die Qualifikation der Bewerber steigen

Kein Wunder, denn jedenfalls in Deutschland stagniert der Markt für IT-Arbeitskräfte. Laut IG-Metall ist im vergangenen Jahr die Zahl der Beschäftigten in der Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) nur noch um 0,2 % gewachsen. Ein Jahr zuvor lag das Stellenwachstum noch bei rund 10 %. "Man muss kein Prophet sein, um festzustellen, dass wir uns auf bescheidene Zahlen bei der Beschäftigungsentwicklung in der ITK-Branche einstellen müssen", sagte der Stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters . Auch der Branchenverband Bitkom rechnet für 2002 in Deutschland mit "einer etwa gleich bleibenden Zahl von 822 000 Beschäftigten in der ITK-Branche", prognostizierte der deutsche HP-Aufsichtsratschef und Bitkom Vizepräsident Menno Harms. Trotzdem hätten ausgebildete Informatiker weiterhin "keine Schwierigkeiten einen Arbeitsplatz zu finden", während es für Quereinsteiger ohne nachweisbare IT-Qualifikation schwerer werde.

Allerdings müssen die IT-Fachkräfte bei den Gehaltsverhandlungen Abstriche in Kauf nehmen, denn mit einem Durchschnittsgehalt von rund 50 000 Euro sind IT-Fachkräfte weniger gut bezahlt als noch vor einem Jahr. "Zu Abstrichen in einem gewissen Rahmen", ist der 24 jährige Wirtschaftsinformatikstudent Lukas Beck bereit. Er ist auf die Cebit gekommen, um sich über die derzeit üblichen Durchschnittsgehälter zu informieren, denn trotz Krise will der Student, wenn er in rund 18 Monaten auf den Arbeitsmarkt geht "schließlich auch kein Geld verschenken".

Laut der gestern vorgestellten IG-Metall-Studie "Entgelt in der IT-Branche 2002" liegen die Einstiegsgehälter für Bewerber mit einem Hochschulabschluss in der ITK-Branche derzeit zwischen 36 500 und 46 000 Euro. "Die Einstiegsgehälter sind inzwischen wieder auf ein vernünftiges Maß gesunken", sagt Gunnar Jürgensen, Ausbildungsleiter beim Touristikkonzern TUI-Infotec. Gesucht sind vor allen Dingen Softwareentwickler, Unix und Linux-Experten, sowie Fachleute, die mit Oracle Datenbanken umgehen können.

Doch gleichzeitig lassen führende Repräsentanten der Industrie keinen Zweifel daran, dass mittelfristig in Deutschland Tausende von IT-Experten fehlen. Auch Microsoft-Chef Steve Ballmer prophezeit für die USA langfristig einen IT-Fachkräftemangel , da immer mehr Arbeitsplätze zu IT-Arbeitsplätzen werden.

"Gute Chancen haben vor allen Dingen IT-Spezialisten, die parallel etwas von Betriebswirtschaft verstehen oder ein bestimmtes Branchen-Know-How besitzen. Besonders in der Softwareentwicklung und IT-Service werden solche Fähigkeiten Hände ringend gesucht.

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