Gehaltsgefälle im deutschen Team groß
Keine Extrawürste für Millionäre

Im Olympischen Dorf sind alle gleich: Millionäre wie Franziska van Almsick und Jan Ullrich genießen den gleichen Komfort wie Judoka-"Tagelöhnerin" Julia Matijass. Und alle fühlen sich wohl.

HB ATHEN. Ein Kühlschrank zum selbst auffüllen statt Zimmerservice, billiger Filzteppich statt Marmor und Parkett sowie ein Bad für alle: Nicolas Kiefer und seine Tenniskollegen leben auf der Tour weitaus komfortabler als bei den Olympischen Spielen. "Sonst wohnen wir in den tollsten Hotels und vor der Tür steht die S-Klasse. Hier sind wir in einer lauten WG und draußen steht ein Fahrrad", sagt Kiefer - und ist von den ungewohnten Verhältnissen begeistert. Millionäre wie die Tennisprofis Kiefer und Thomas Haas, Schwimmstar Franziska van Almsick und Radprofi Jan Ulrich bilden die Spitze in einem deutschen Olympia-Team, das ein enormes Gehaltsgefälle aufweist.

Eher als "Tagelöhnerin" gilt Judoka Julia Matijass: Die 30 Jahre alte Osnabrückerin gewann die erste Medaille für Deutschland und für die angehende Verwaltungsfachauszubildende sind die 7500 ?, die die Deutsche Sporthilfe für Bronze ausschüttet, ein ordentlicher Batzen. Ihre Judo-Kollegin Sandra Köppen sagt: "Wir werden immer arme Schlucker bleiben. Im nächsten Leben werde ich Tennisspielerin." Als Fußballspielerin könnte sie sich auch nicht zurücklehnen: Für ihren WM-Titel bekam die DFB-Mannschaft zwar pro Kopf 15 000 ?, doch kaum eine kann nur vom Kicken leben.

Haas hat allein an Preisgeldern in seiner Karriere 4,05 Mill. ? verdient. Van Almsicks Vermögen wird auf etwa zehn Mill. ? geschätzt, das Jahreseinkommen von Ullrich beträgt inklusive aller Werbeverträge etwa vier Mill. ?. "Ich genieße das Feeling hier im Dorf", sagt der Olympiasieger von 2000 und bedauert, dass er bereits am Donnerstag wieder abreisen muss: "Ich wäre gerne zwei Wochen hier gewesen." Sein Teamgefährte Erik Zabel betonte nach dem Straßenrennen: "Wir fahren hier nur für die Ehre."

Extrawürste werden nicht gebraten. Niemand büchst in ein Nobelhotel aus, schon gar nicht van Almsick, die sich immer gern im Kreise der Schwimmmannschaft bewegt. Für Außenstehende ist auch nicht zu erkennen, ob in der einheitlichen Trainings-, Freizeit- und Ausgehkleidung ein Vollprofi mit goldener Kreditkarte oder ein lupenreiner Amateur steckt.

Die erfolgreichste deutsche Olympionikin überhaupt ist eine seltsame Mischung aus beidem. "Ich finanziere Olympia von Gespartem", sagt die Kanutin Birgit Fischer. Die 42-Jährige gehört nach ihrem Comeback keinem Kader mehr an und die Sporthilfe zahlt ihr im Monat nur 500 ? aus. Die siebenmalige Goldmedaillengewinnerin ist jedoch jahrelang gut über die Runden gekommen und stolze Besitzerin eines Hauses an einem See in Bollmannsruh bei Brandenburg.

164 der 450 deutschen Olympia-Teilnehmer sind Sportsoldaten bei der Bundeswehr, die ihnen eine soziale Absicherung bietet. Nur 38 bezeichnen sich als Vollprofis. Die Sporthilfe unterstützt Kaderathleten mit bis zu 3000 ? im Monat. Aber es gibt auch einige, die richtig gut leben können von ihrem Sport: So kassierten die Beachvolleyballer Jonas Reckermann/Markus Dieckmann für ihren Sieg in Berlin auf der Weltserie 43 000 Dollar. Eher zur Elite zählt Tischtennis-As Timo Boll mit einem geschätzten Jahreseinkommen von 250 000 ? oder Schwimmer Thomas Rupprath, der alleine als Gesamtweltcup-Sieger vergangene Saison 50 000 Dollar erhielt.

Für manche Sportler ist der Athen-Ausflug mit seinem Allinclusive-Angebot ein Paradies. Die ausgeschiedene deutsche Badminton-Meisterin Xu Huaiwen will bis zum Ende der Spiele bleiben: "Das Dorf ist sehr bequem. Ich habe hier alles." Ihre Disziplinkollegin Juliane Schenk nutzt die Zeit, um Autogramme zu sammeln und schwärmt: "Es ist schon geil, wenn man in der Mensa Superstars wie Ian Thorpe, Maurice Greene, Jan Ullrich oder Franzi trifft."

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