Gehaltskürzungen
LTU bittet ihre Piloten zur Kasse

Die angeschlagene Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU verlangt von ihrem Personal harte Einschnitte, um der drohenden Pleite entgehen zu können.

DÜSSELDORF. Während die Gehälter von Flugbegleitern und Bodenpersonal um 5 % gekürzt werden sollen, will die Geschäftsführung den LTU-Piloten Zugeständnisse von bis zu 25 % abringen.

Georg Fongern, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, bestätigte am Montag entsprechende Forderungen im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Zunächst mal muss man uns ein überzeugendes Konzept vorlegen. Wenn?s denn hilft, sind wir immer zu Zugeständnissen bereit", sagte Fongern. Sie machten jedoch nur Sinn, wenn zeitgleich die Perspektive der LTU durch die Anteilseigner garantiert werden könne. Die Piloten des finanziell schwer angeschlagenen Ferienfliegers gelten im Vergleich zu den Flugzeugführern anderer Chartergesellschaften als überdurchschnittlich gut bezahlt. Ein Spitzenverdiener im Cockpit der LTU könne pro Jahr zwischen 280 000 und 350 000 Mark verdienen, sagen Branchenexperten.

Ohne Investor droht dem Flugunternehmen die Pleite

Mit seinem harten Sparkurs will sich der deutsche Ferienflieger für potenzielle Investoren interessanter machen. Nach dem Zusammenbruch ihres bisherigen Großaktionärs Swissair Group steht die LTU mitten in der Sanierungsphase ohne Geldgeber da. Der Kölner Mischkonzern Rewe, der bisher 40 % an der LTU hält, erklärt sich bisher nicht bereit, die Swissair-Anteile zu übernehmen und dringend benötigte liquide Mittel bereit zu stellen. Sollte sich nicht bald ein neuer Investor finden, droht dem Düsseldorfer Traditionsunternehmen die Pleite. Jüngsten Meldungen eines Branchen-Blattes zufolge befürchtet ein hochrangiger LTU-Manager noch im November den Gang zum Konkursrichter. Ein Sprecher des Unternehmens sagte dem Handelsblatt am Montag, das Unternehmen habe derzeit noch keine Liquiditätsprobleme.

Sparpaket soll jährlich knapp 50 Mill. DM einsparen

Das Sparpaket, das dem LTU-Betriebsrat und den Gewerkschaften bereits vorliegt, soll zwischen 2002 und 2004 jährlich knapp 50 Mill. DM an Personalkosten einsparen. Im kommenden Jahr verlangt die Geschäftsleitung dafür eine Nullrunde bei den Tarifverhandlungen. 2003 sollen die Gehälter lediglich um ein Prozent und im Jahr 2004 um 1,5 % steigen. Außerdem soll die Hälfte des 13. Monatsgehalts künftig von den Erträgen der Fluggesellschaft abhängen. Nach Angaben des Betriebsrats steht inzwischen auch der in der vergangenen Sanierungsrunde ausgehandelte, bis 2003 befristete Kündigungsschutz zur Disposition. Die 2 300 Beschäftigten werden am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung über die Forderungen der Geschäftsleitung beraten.

Rewe-Chef Hans Reischl hatte kürzlich in einem Interview betont, die Kosten des Flugbetriebs seien bei der LTU "leider zu hoch". Branchenexperten wollen wissen, dass Reischl an eine Übernahme der LTU-Mehrheit nun überaus harte Bedingungen knüpft. Die Forderung nach einer weiteren Flottenverkleinerung auf 14 Mittel- und fünf Langstrecken-Jets nannte der LTU-Sprecher allerdings "reine Spekulation". Derzeit fliegt die LTU mit 27 Maschinen. Reischl machte auch deutlich, dass ihn vor allem die "lukrativen Verträge für die Piloten" stören. Cockpit-Sprecher Fongern sieht bereits die nächste "Neidkampagne" auf seine Zunft zukommen: "Das ist politisch sehr schön, und man kühlt sich gerne sein Mütchen daran. Doch bei einem Finanzbedarf von 600 oder 700 Millionen DM machen die Einschnitte der Piloten nur einen kleinen Bruchteil aus."

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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