Geheimes Dokument
Doping-Forschung in der Sowjetunion

In der früheren Sowjetunion hat es seit Beginn der 70er Jahre eine staatliche Doping-Forschung gegeben. Dies geht aus einem Beitrag des Sportwissenschaftlers Michael Kalinski für die November-Ausgabe der Zeitschrift "Sportmedizin" hervor. Belegt wird dies durch eine geheime 39-seitige Studie des Staatlichen Instituts für Körperkultur im Sport zum Einsatz anaboler Steroide im Sport.

HB/dpa DÜSSELDORF. "Die Bedeutung dieses erstmalig im Westen vorgestellten Dokuments besteht darin, dass zum ersten Mal die Existenz eines staatlich gesteuerten Steroideinsatzes im Sport bewiesen wird", schreibt Kalinski. Das Dokument gebe Beispiel für staatlich geförderte Forschung, auf deren Grundlage Empfehlungen an verschiedene Institutionen ausgesprochen worden seien. Die Geheimschrift sei möglicherweise der Ausgangspunkt der raschen Verbreitung einer Verwendung anaboler Steroide unter Athleten der ehemaligen UdSSR gewesen, so der Dozent der Kent State University in Ohio/USA.

Bisher hatte man nur vermutet, dass es neben den flächendeckenden Doping-Programm der DDR - es wurde nach dem Zusammenbruch der DDR 1990 durch Geheimdokumente aufgedeckt - noch andere vom Staat unterstützte Doping-Systeme im Ostblock gab. Der Verdacht eines Missbrauchs anaboler Steroide durch sowjetische Athleten "wucherte" bereits seit den 60er Jahren.

In der geheimen Studie werden Forschungsergebnisse zur Wirkung von Anabolika auf Ausdauer, Kraft, sportliche Leistung und Wettkampfergebnisse dargestellt. Auch konkrete Anweisungen für Dosierung und mögliche Nebenwirkungen gehören zum Inhalt. Bei dieser Doping-Forschung wurde keine Rücksicht auf die Probanden genommen. "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass irgendeine der erwähnten Untersuchungen den allgemeinen ethischen Richtlinien für Humanversuche entsprach", stellte Kalinski fest. Dabei hatten die sowjetischen Wissenschaftler auch die Gefahren des anabolen Dopings entdeckt und Nebenwirkungen wie Impotenz, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Ödeme oder Gewichtsabnahme für möglich erachtet.

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