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Geheimniskrämer am Werk

Der Rummel um die neuen schnellen Anschlüsse an das weltweite Internet geht vielen auf die Nerven. Es wird die heile multimediale Welt versprochen, die erst Jahre später Wirklichkeit wird. Doch wenn gar keine Informationen über die neuen Möglichkeiten der Technik kommuniziert werden, ist das auch komisch. Kabel-NRW - allein diese Firma kennt kaum jemand - rüstet ihr Kabelnetz auf und spricht nicht drüber.

Was macht der Mensch, wenn er in seiner neuen Wohnung einen Telefonanschluss braucht? Er geht zur nächsten Post und füllt einen Antrag aus. Und was, wenn er zusätzlich noch einen Kabelanschluss für das Fernsehen haben will? Das ist dann nicht so einfach. Der zukünftige Kunde muss seine detektivischen Fähigkeiten entfalten und wenn er Glück hat, erfährt er irgendwann eine Telefonnummer unter der er mit viel Mühe einen Ansprechpartner findet, dem er sein Anliegen vortragen kann.

Nachdem im Sommer vergangenen Jahres Kabel NRW die Mehrheit an der Kabelgesellschaft in Nordrhein-Westfalen übernommen hat, ist die Telekom in dieser Region nicht mehr als Betreiber zuständig. Doch das weiß nur derjenige, der aufmerksam die Zeitungen liest - Kabel NRW hielt sich mit Marketing-Aktivität bislang vornehm zurück.

"Wir wollen erst dann die Werbetrommel rühren, wenn wir das Kabelnetz zur Datenautobahn ausgebaut haben", heißt es aus dem Unternehmen. Bis dahin werde man sich zwar um die Altkunden kümmern, aber nicht aktiv um neue werben. Die Kundenbetreuung erfolgt über ein Callcenter, das nur unzureichend besetzt ist. Denn entweder ist dort die meiste Zeit besetzt oder nur der Anrufbeantworter zu erreichen - und wenn man Pech hat, ist der schon so voll gequatscht, dass man keine Nachricht hinterlassen kann.

Sicher ist es aus Sicht des Kunden nervig, wenn die Netzbetreiber schon Jahre im vorhinein die schöne multimediale Welt preisen und schnelle Anschlüsse an die Datenautobahn ankündigen, auf die man noch lange warten muss. Doch das Beispiel von Kabel NRW zeigt, dass das krasse Gegenteil - gar nichts zu kommunizieren - auch keine Lösung sein kann. Nicht nur das der Kabelnetzbetreiber zurzeit ohne Not den Rest des Marktes - immer hin empfangen 45 % der Haushalte in NRW ihr Fernsehprogramm nicht über Kabel - kampflos dem Wettbewerb überlässt. Die potentiellen Kunden erfahren erst gar nicht, warum gerade in ihrem Stadtteil gerade wieder die Bürgersteige aufgebuddelt und dort weitere Glasfaserkabel verlegt werden. Und dabei soll bereits im Spätsommer - wie aus einer Pressemitteilung im Januar zu erfahren war - die Region zwischen Köln und Düsseldorf mit dem interaktiven Zugang zu multimedialen Dienstleistungen und Internet versorgt werden.

Wenn Kabel NRW Pech hat, ist zu diesem Zeitraum in dieser Region auch der Start von DSL (der schnellen Datenübertragung über Kupferkabel) oder von Powerline (dem Internetzugang via Stromleitung) geplant. Dann könnte es schwer werden, sich unter den vielen Anbietern Gehör beim Kunden zu verschaffen.

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