Gehirnforscher untersuchen Verhalten von Investoren
Gefühl spielt bei der Anlage eine Hauptrolle

So wie die Bestätigung einer Gewinnprognose in der Regel keine starken Kursveränderungen auslöse, so wenig reagiere auch das Gehirn auf Altbekanntes.

rp DÜSSELDORF. Henschel, zugleich Präsident der German Association of Investment Professionals (GAIP), hat untersucht, warum subjektive Elemente wie Gefühle bei Anlageentscheidungen wichtig sind. Die Neurophysiologie blicke dabei in die "Black Box", die zwischen Reiz und Reaktion liegt. Es stellt sich also die Frage, was eigentlich im Gehirn passiert und wie der Anleger daraus Lehren ziehen kann. Resultat könnte ein "Gefühlsregister" sein, um falschen Entscheidungen vorzubeugen.

Die Theorie des Behavioral Finance zeige, dass das Anlegerverhalten nicht immer rational ist. Die Neurophysiologie untersuche nun, warum das so ist und ermögliche, Verhalten kritisch zu überprüfen. Zudem zeige sie, dass die emotionale Komponente bei Entscheidungen unverzichtbar ist: "Ohne Gefühle kann kein rationales Verhalten erwartet werden". Denn nur eine Erinnerung, die mit Gefühlen behaftet ist, wird berücksichtigt.

Wichtig sei das Glückshormon Dopamin. Es sorge für gute Gefühle, wenn Vorhersagen unter Risiko gemacht werden. Darin liege beispielsweise ein Grund, warum Aktien, die hinter der Gewinnprognose zurück bleiben, an der Börse bestraft werden. Denn mit dem Dopaminspiegel falle die Stimmung, wenn erwartete Belohnungen ausbleiben.

Anleger können laut Henschel aus den Erkenntnissen Nutzen ziehen. Zur Vermeidung von Überreaktionen oder um Vorurteile zu erkennen, könnte etwa ein Gefühlsregister hilfreich sein: Die Auflistung von Aktienkäufen und-verkäufen müsse um die dabei empfundenen Gefühle ergänzt werden. Beim nächsten Kauf fällt es dem Anleger dann leichter, beeinflussende Vorurteile, die aus den Erinnerungen in ähnlichen Situationen resultierten, auszuschalten. Ein Beispiel biete auch die aktuelle Börsensituation. Käufe bei steigenden Kursen waren mit positiven Gefühlen verbunden, die Enttäuschung nach dem Rückfall aber um so stärker. Nun sitze der Groll so tief, dass die Anleger einen Neueinstieg scheuen. Die negativen Gefühle überwiegen.

Quelle: Handelsblatt

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