Geiseln weiter in Händen der Kidnapper
Armee dementiert Befreiung in der Sahara

Die algerischen Streitkräfte haben nach einem Bericht des staatlichen Rundfunks Meldungen über eine Befreiung von 15 europäischen Touristen dementiert. Die Sicherheitskräfte würden jedoch weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, um die festgehaltenen Ausländer zu befreien, hieß es in dem Rundfunkbericht am Montag.

Reuters ALGIER. Zuvor war aus Militärkreisen verlautet, nach rund dreimonatiger Geiselhaft seien die in der algerischen Sahara verschleppten zehn Deutschen, vier Schweizer und der eine Niederländer befreit worden. Das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich auch am Abend dazu nicht.

Das Innenministerium in Algier war zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu den widersprüchlichen Informationen zu erreichen. Ein Vertreter des algerischen Militärs in Illizi hatte erklärt, die übrigen entführten Touristen seien frei. "(Die Männer und Frauen) werden am Nachmittag nach Algier gebracht, bevor sie in ihre Heimatländer zurückkehren." Ein deutsches Flugzeug sei bereits in der Hauptstadt angekommen, um die zehn Deutschen in ihre Heimat zurückzubringen, hatte es zudem in algerischen Sicherheitskreisen geheißen.

Im Februar und März waren insgesamt 32 ?päer in mehreren Gruppen in dem Wüstengebiet verschwunden, das rund 1200 Kilometer südöstlich von Algier liegt. Mehr als hundert algerische Elitesoldaten hatten am vergangenen Dienstag die Geiselnehmer einer Gruppe von Touristen angegriffen und 17 Männer und Frauen unverletzt befreit. Nach Zeitungsberichten wurden dabei ein Soldat und bis zu neun Geiselnehmer getötet. Algerische Behörden hatten befürchtet, dass Nachrichten von der Befreiung der Geiseln die noch immer festgehaltenen Touristen gefährden könnten.

Nach Armeeangaben waren diese Touristen in der Gewalt einer Gruppe, die sich Salafisten für Predigt und Kampf (GSPC) nennt und für einen streng moslemischen Staat in Algerien kämpft. Die GSPC soll US-Angaben zufolge auch Verbindungen zur El Kaida des Moslem-Extremisten Osama bin Laden haben.

Die Entführer hätten Lösegeld gefordert, hieß es unter westlichen Diplomaten. Darüber war mehrfach in algerischen und ausländischen Medien berichtet worden. Ein schweizerisches Magazin sprach von Forderungen in Höhe von 23 bis 34 Mill. Dollar. Die algerische Regierung hatte die Berichte aber stets zurückgewiesen.

Mit dem Lösegeld wollten die Entführer terroristische Aktionen finanzieren, hieß es in den diplomatischen Kreisen weiter. Durch die Geiselnahmen der Touristen wollten die militanten Gruppen der Einschätzung der Diplomaten zufolge die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich lenken, zumal ihr Kampf gegen die algerische Regierung keine Erfolge zeige.

In dem Bürgerkrieg der GSPC und der Bewaffneten Islamischen Gruppe GIA sind in Algerien mehr als hunderttausend Menschen ums Leben gekommen. Eine der in der vergangenen Woche befreiten Geiseln berichtete, die Entführer hätten allerdings das Leben der Touristen geschützt, als die algerische Armee angegriffen haben. "Sobald die ersten Schüsse fielen, haben sie sich von uns fern gehalten", sagte der 60-jährige Österreicher. "Sie hätten uns als menschliche Schutzschilde benutzen können, aber das haben sie nicht gemacht." Mit dem Industriellen wurden weitere neun Österreicher, sechs Deutsche und ein Schwede befreit.

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