Geiselnahme in Moskau international verurteilt
Schröder telefoniert mit Putin

Reuters MOSKAU/NEW YORK/BRÜSSEL. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die Massen-Geiselnahme tschetschenischer Rebellen in Moskau scharf verurteilt und die sofortige Freilassung der in dem Musical-Theater seit Mittwochabend festgehaltenen rund 700 Menschen verlangt.

Die Regierungen in Berlin und London boten dem russischen Präsidenten Hilfe an.



Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Geiselnehmer als Terroristen bezeichnet, die aus dem Ausland gesteuert würden. Um das Gebäude in Moskau sind bewaffnete Sicherheitskräfte aufgezogen. Nach Angaben eines Sprechers des russischen Sicherheitsdienstes verschlechterte sich die Lage der Geiseln, darunter etwa auch etwa 75 Ausländer, inzwischen immer mehr. Es gebe auch Herzkranke und Diabetiker unter ihnen, hieß es.

Internationale Verurteilung

Auf Antrag des russischen UNO-Botschafters Sergej Lawrow verabschiedete der Sicherheitsrat am Abend einstimmig eine Resolution, in der die Geiselnahme als gegen den Frieden und die internationale Sicherheit gerichteter Terrorakt verurteilt wurde. Die Geiselnehmer wurden in der Resolution aufgefordert, die Geiseln sofort und ohne Bedingungen freizulassen.

Schröder telefoniert mit Putin

Bundeskanzler Gerhard Schröder telefonierte mit Putin und bot ihm Unterstützung zur Lösung des Geiseldramas an. Bundesaußenminister Joschka Fischer verurteilte die Geiselnahme ebenfalls als Terrorakt. In London kündigte die Regierung die Entsendung von Antiterror-Spezialisten zur Unterstützung der Spezialisten in Moskau an. Unter den ausländischen Geiseln befinden sich neben drei Deutschen auch mehrere Briten. Auch die OSZE und UNO-Generalsekretär Kofi Annan verurteilten die Moskauer Geiselnahme als feiges und hinterhältiges Verbrechen.

Eine Frau hatten die Besetzer am Mittwoch auf der Flucht erschossen, wie ein Sprecher des Inlandsgeheimdienstes FSB am Donnerstag mitteilte. Auf Fernsehbildern wurde gezeigt, wie die Leiche, den Angaben zufolge eine 20-jährige Frau, auf einer Trage aus dem Gebäude gebracht wurde.

Die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete unter Berufung auf Sicherheitskreise, zwei Frauen hätten am Donnerstag fliehen können. Die Geiselnehmer hätten jedoch Granaten auf sie abgefeuert und eine der jungen Frauen schwer verletzt.

Keine Anzeichen von Entspannung

Die Tschetschenen haben einem russischen Unterhändler zufolge erklärt, es werde keine weiteren Freilassungen geben. Am Mittwochabend hatten etwa 150 Personen das Gebäude verlassen dürfen, darunter bis zu 20 Kinder und Moslems. Eine der Geiseln hatte am Donnerstag kurz das Gebäude verlassen dürfen. "Wir bitten Präsident Putin, die Militäreinsätze in Tschetschenien zu beenden", las sie von einem Zettel ab. Zwei freigelassene Reporter der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sagten, der Anführer der Rebellen habe damit gedroht, jede Stunde zehn Gefangene zu erschießen, wenn die Forderungen nicht erfüllt würden.

Aus dem Theater berichtete die Kinder-Herzspezialistin Maria Scholnikowa dem Sender Echo Moskwi, die Tschetschenen machten den Geiseln Angst, indem sie erklärten, sie seien nun schon so lange in der Gewalt der Tschetschenen, und die Regierung tue nichts, um ihnen zu helfen. Per Handy berichtete die Ärztin, die Extremisten hätten im gesamten Innenraum Sprengstoff angebracht, auch an den Körpern einiger Geiseln hätten sie Sprengstoff befestigt. Ein Sprecher des russischen Sicherheitsdienstag sagte, die Lage verschärfe sich immer mehr. Es gebe Kranke, etwa Diabetiker, deren Gesundheit bedroht sei.

Truppen stehen bereit

In der Nähe des Theaters stand am Abend ein gepanzerter Truppentransporter, außerdem waren mehrere Transporter mit schwer bewaffneten Truppen des Innenministeriums aufgezogen. Einige der Mitglieder der Spezialeinheit waren maskiert. Gennadi Gutkow, Vertreter des Innenausschusses des russischen Parlaments sagte, einen Sturm des Gebäudes werde auf russische Initiative hin nicht geben, solange die Terroristen keine Anstalten machten, Menschen zu töten.

Verzweifelte Angehörige drängten sich vor dem Theater, um Auskunft über ihre vermissten Familienmitglieder flehend. Präsident Putin versicherte im Fernsehen, das Hauptziel der Sicherheitskräfte und Sondereinheiten werde sein, die Freilassung der Geiseln sicher zu stellen und dabei ihre maximale Sicherheit zu gewährleisten.

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