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Geiselnehmer in Neuss von Polizei getötet

Ein mehrstündiges Geiseldrama hat in der Nacht zum Freitag in Neuss bei Düsseldorf ein blutiges Ende genommen. Mit einem Kopfschuss tötete ein Polizist den 21 Jahre alten Geiselnehmer, der seine gleichaltrige Lebensgefährtin in seine Gewalt gebracht hatte.

dpa NEUSS. Ein mehrstündiges Geiseldrama hat in der Nacht zum Freitag in Neuss bei Düsseldorf ein blutiges Ende genommen. Mit einem Kopfschuss tötete ein Polizist den 21 Jahre alten Geiselnehmer, der seine gleichaltrige Lebensgefährtin in seine Gewalt gebracht hatte.

Die Geisel, die sich zuvor in ein Frauenhaus geflüchtet hatte, kam mit leichten Schnittwunden am Hals und einem Schock davon. "Die Situation war hochgradig lebensgefährlich. Für uns ging es vorrangig darum, das Leben der Geisel zu schützen", sagte Staatsanwalt Hans- Rainer Kleinert in Düsseldorf.

Der Schuss fiel, als ein Sondereinsatzkommando die Garage stürmte, in der sich der 21-Jährige verschanzt hatte. Mehr als 100 Polizisten waren im Einsatz. Der Geiselnehmer verlangte die Herausgabe des vier Monate alten, gemeinsamen Kindes sowie Kokain. Er war mit einem Messer bewaffnet, zudem hatte er sich und den Boden der Garage mit Benzin übergossen. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatte er mehrfach mit der Verstümmelung der Geisel gedroht und ein Feuerzeug entzündet. Wegen des verschütteten Benzins bestand nach Angaben der Polizei Explosionsgefahr.

Der Mann soll seine Freundin zuvor bereits monatelang in seiner Wohnung gefangen gehalten und misshandelt haben. Die gleichaltrige Frau hatte sich schließlich Anfang September ins Frauenhaus geflüchtet. Dort hatte ihr der verlassene Geliebte am Donnerstagabend gegen 20.00 Uhr aufgelauert und sie in die nahe gelegene Garage verschleppt.

Ein Spezialkommando der Polizei hatte sich nach dreieinhalb Stunden zum Zugriff entschlossen, als der Täter für einen kurzen Moment sein Messer aus der Hand gelegt hatte. Bei der Erstürmung der Garage kurz vor Mitternacht habe sich der 21-Jährige das Messer aber blitzschnell gegriffen und war damit auf die Geisel losgegangen.

In diesem Moment habe der Beamte aus seiner Dienstpistole eine einzige Kugel abgefeuert, die den Geiselnehmer in den Kopf traf, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft. Der Mann starb trotz Einsatzes eines Notarztes noch am Tatort. Der Geiselnehmer hatte nach dem Eindruck der Polizeipsychologen zunehmend psychisch labil und irrational gewirkt. Dem Beamten könne nach derzeitigem Ermittlungsstand kein Vorwurf gemacht werden, sagte Staatsanwalt Kleinert. Es sei eine "Nothilfe-Situation" gewesen.

Die Obduktion des Toten soll nun ergeben, ob er während der Tat unter Drogen stand. Das Baby des Paares war bereits vor einigen Tagen einer Pflegefamilie anvertraut worden.

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