Geist von Barcelona
WM schweißt DSV-Schwimmer zusammen

Obwohl 30 Einzelkämpfer aus 24 Vereinen für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) bei der WM in Barcelona um Medaillien kämpften, ist die Einheit in der Mannschaft größer als jemals zuvor.

HB/dpa BARCELONA. Die "neue deutsche Welle" schweißt die Schwimmer auf dem Weg zu Olympia 2004 zusammen. "Unbeschreiblich, dieses Wir- Gefühl. Ich bin 15 Jahre dabei, aber so ein schönes Gefühl hatte ich noch nie", schilderte Christian Keller das, was die WM in Barcelona für den Athletensprecher des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) einmalig machte: 30 "Einzelkämpfer" aus 24 Vereinen bildeten die wohl stärkste deutsche Einheit bei einem Welt-Championat. Belastungsproben wie das peinliche Ausscheiden zweier Staffeln sorgten nur kurzzeitig für Irritationen.

Die Gruppenintegration funktionierte, obwohl zehn Neulinge hinzukamen und der Altersunterschied bei 18 Jahren lag. Mark Warnecke könnte mit 33 rein theoretisch der Vater von Daniela Götz sein. Die Schülerin aus Katzwang war mit 15 das "Küken" und ist zusammen mit den beiden 18-jährigen Helge Meeuw und Johannes Dietrich ein Wechsel auf die Zukunft.

Die "neue deutsche Welle" wurde durch Ralf Beckmann ausgelöst. Als der Sportdirektor im Frühjahr 2001 seinen Job antrat, fand er verunsicherte Athleten und ein schwaches Umfeld vor: Sydney hatte dem DSV einen Tiefschlag versetzt. Doch Beckmann hat ein "Händchen" für alles, was mit Mannschaften zusammenhängt. Schon in seiner Zeit als ehrenamtlicher Schwimmwart (1993 bis 1995) galt er als integrative Kraft mit harter Hand.

Ein Haudrauf ist er nicht, obwohl er auch deutlich werden kann. Die Mitglieder des Männer-Lagenquartetts bekamen für die Peinlichkeit des 11. Vorlauf-Platzes ihr Fett weg, Beckmann sprach vom "herausragenden Tiefpunkt". Das soll anstacheln, das soll lehren, bei wachsender Konkurrenz nicht leichtsinnig mit Steuergeldern umzugehen. WM- oder Olympia-Touristen kann Beckmann nicht leiden.

Sie werden "Klartext" reden, wie die tägliche Mannschaftsbesprechung in Barcelona tituliert wurde. Der neu in das Team gekommene Psychologe Uli Kuhl soll in der Nach-WM-Phase analysieren, was falsch lief, wo Prioritäten im Umgang miteinander eventuell neu gesetzt werden müssen. In Spanien fand er trotz der zwei krassen Aussetzer "eine funktionierende Mannschaft" vor. Die Couch brauchte er nicht, er musste keine Seelenschau machen. Den "Geist von Barcelona" wollen sie nach Athen bringen. Und im Team wieder erfolgreich sein. Mit DSV-Präsidentin Christa Thiel und dem unumstrittenen Chef Beckmann: kommunikativ, beliebt, fest in allen Sätteln sitzend. Thiel: "Er ist Synonym für unsere neuen Erfolge."

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