Gekürzte Ablaufleistungen bei Lebensversicherungen
Immobilienbesitzern droht Finanzierungslücke

Wer bei der Baufinanzierung auf eine Lebenspolice gesetzt hat, sollte aufpassen. Weil die Versicherer auf Grund der Börsenbaisse die prognostizierten Ablaufleistungen verfehlen, entstehen Finanzierungslücken.

DÜSSELDORF. Die Börsenkrise erreicht durch die Hintertür auch die Besitzer von Immobilien, die ihr Eigentum durch eine Lebensversicherung finanziert haben. Viele dieser Finanzierungen drohen in Schieflage zu geraten. "Den meisten Anlegern ist dies noch gar nicht bewusst", sagt Peter Sachs, vereidigter Sachverständiger für Baufinanzierungen in Bad Homburg.

Das Prinzip: Anleger können ihr Objekt nicht nur durch eine Bank, sondern auch durch eine Versicherung finanzieren lassen. Das lohnt vor allem für fremdgenutzte Immobilien. Bei einem klassischen Hypothekendarlehen stottert der Anleger noch Zins und Tilgung pro Monat ab. Anders bei der Finanzierung über eine Lebensversicherung: Der Anleger zahlt nur die Zinsen und bespart gleichzeitig eine kapitalbildende Lebensversicherung. Am Ende der Laufzeit zahlt der Anleger mit der Ablaufleistung der Versicherung das Darlehen zurück.

Das Problem: Bei den meisten dieser Konzepte entspricht die Darlehenssumme der in Aussicht gestellten Ablaufleistung. Diese setzt sich aus einem garantierten Teil und der Überschussbeteiligung zusammen. Für letztere macht der Versicherer aber keine verbindliche Zusage, sondern nur eine Prognose.

Und diese kommen jetzt reihenweise ins Rutschen. Grund ist die Krise am Kapitalmarkt. Während früher die Versicherer ihren Kunden pro Jahr sieben Prozent und teilweise mehr auf das Sparkapital gutschreiben konnten, sind es heute bei vielen gerade noch fünf bis sechs Prozent. Sinkt nun die Überschussbeteiligung, reicht am Ende der Vertragslaufzeit aber das Geld aus der Police nicht aus, um das geliehene Geld zurückzuzahlen. Beispielfälle dafür gibt es schon, wie Versicherungsmakler Michael Scheunert von A-Financial Cooperation in Pöcking am Starnberger See berichtet.

"Wer jetzt nicht reagiert, der lebt auf Pump", bringt der Versicherungsexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Wolfgang Scholl, die Lage auf den Punkt. Gegensteuern bedeute für diese Immobilienbesitzer, "entweder sie schallen jetzt den Gürtel enger und sparen mehr oder sie müssen ihre Kredite länger tilgen."

Problem erkennen

Wer handeln will, muss zuvor von seinem Problem wissen. "Bisher hat kaum ein Immobilienbesitzer seine Situation erkannt", sagt Scheunert. Kein Wunder: Banken oder Versicherungen haben wenig Interesse daran, die Kunden auf ihr Problem aufmerksam zu machen. Die Banken haben ja die Immobilie als Sicherheit. Und die Versicherer haben im Kleingedruckten der Verträge darauf hingewiesen, dass die Überschüsse nicht garantiert sind.

Aber nicht jeder Immobilieneigentümer, der auf die Renditeprognose seines Lebensversicherers vertraut hat, muss sich in gleichem Umfang sorgen. Mehr oder weniger aus dem Schneider sind die Versicherten, deren Policen in Kürze auslaufen. "Wer sich auf der Zielgeraden seiner Finanzierung befindet, hat weitgehend seine Überschussbeteiligungen ansammeln können", sagt Sachverständiger Sachs. Mit einem blauen Auge davonkommen können auch die Versicherten, die erst vor einigen Jahren einen Vertrag abgeschlossen haben. "Es lassen sich noch wichtige Korrekturen zu Gunsten des Versicherten vornehmen, wenn deren Policen nicht länger als fünf bis acht Jahren laufen und mindestens noch eine Restlaufzeit von mehr als 15 Jahren vorliegt", erklärt Versicherungsmakler Scheunert.

Beispielsweise wurde in einem Fall die Police beitragsfrei gestellt, und die einzelnen Bestandteile Tod und Kapitalvermehrung wurden an drei unterschiedliche Versicherer vergeben. Das Kalkül: Ein reservestärkerer Versicherers bringt mehr Rendite. Denn Versicherer, die noch Buchreserven haben, können ihren Kunden länger eine höhere Verzinsung gutschreiben und maue Börsentage überbrücken. Allerdings hat diese Lösung ihre Haken: Denn bei Abschluss einer neuen Lebensversicherung wird nochmals Provision fällig; zudem kostet der Todesfallschutz mehr Prämie, weil der Kunde älter ist. Dann fließt aber weniger Geld in den Spartopf.

Wer dies scheut und bei seinem Versicherer ausharrt, dem bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder, er hat noch Liquidität frei und kann versuchen, mit seinem Kreditgeber vorzeitig in die Tilgung einzusteigen. Hat der Anleger keine freien Mittel mehr, muss er sich um eine Anschlussfinanzierung kümmern.

Die Finanzierungslücke für die Bauherren droht in Zukunft sogar größer zu werden. Denn auch in diesem Jahr werden die Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligung weiter senken. Die Provinzial Kiel und die Arag haben das bereits getan. Und im vergangenen Jahr haben die Versicherer schon durch die Bank weg ihre Gewinnbeteiligung gesenkt.

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