„Geld fließt dahin, wo es gut behandelt wird.“
Positive Signale von der Handelsbilanz

Die US-Bürger zeigen sich unbeeindruckt von Arbeitsmarktzahlen und steigender Verschuldung: Das Verbrauchervertrauen stieg im Mai auf den höchsten Stand seit 1,5 Jahren. Das deutet darauf hin, dass die Konsumausgaben die Wirtschaft weiter ankurbeln werden.

NEW YORK. Das deutet darauf hin, dass die Konsumausgaben die Wirtschaft weiter ankurbeln werden. Auf eine Konjunkturerholung weist auch das geringer als erwartet ausgefallene Defizit der Handelsbilanz.

Der Index des Verbrauchervertrauens, der von der Universität Michigan erhoben wird, stieg von 93 im April auf 96 im Mai. Das ist der beste Wert seit Dezember 2000. Wirtschaftsexperten hatten für den Mai einen unveränderten Index-Stand erwartet. Das am Freitag veröffentlichte Barometer soll anzeigen, wie die US-Bürger ihre eigene finanzielle Situation einschätzen und welche Konsumausgaben sie planen.

Der Anstieg kam für die Experten überraschend. Die Arbeitslosenquote erreichte mit sechs Prozent fast den höchsten Stand der vergangenen acht Jahre. Zudem belasten die Einbrüche an den Börsen die privaten Haushalte. "Das bestätigt, dass der Verbraucher nicht aufzuhalten ist, egal wie die ökonomischen Aussichten sind", kommentiert Drew T. Matus, Volkswirt bei Lehman Brothers.

Während die Aktienmärkte das Verbrauchervertrauen mit Kurssprüngen zur Kenntnis nahmen, gaben die Anleihen nach. Die 30jährigen US-Staatsanleihen fielen am Freitagmittag um einen ganzen Basispunkt. Kurt Harrison, Chef des US-Bondhandels bei Banc of America, sieht eine baldige Reaktion der Notenbank: "Die Leute sehen langsam ein, dass sich die Wirtschaft schneller erholt und dass die Fed demnächst die Leitzinsen anheben wird, egal wie sich der Aktienmarkt entwickelt."

Als weiteres Zeichen der Konjunkturerholung werden die jüngsten Zahlen zur Handelsbilanz gewertet. Der Importüberschuss der USA ist im März leicht geschrumpft: Waren es im Februar noch 31,8 Mrd. Dollar, sind es im Folgemonat 31,6 Mrd. Dollar.

Damit erreicht das Handelsbilanzdefizit wieder das Niveau, das es vor der Terrorattacke am 11. September hatte, so das US-Handelsministerium. Im Februar war die Kluft zwischen Ein- und Ausfuhren auf den höchsten Stand in zehn Monaten gewachsen.

Einer der Gründe für die sinkende Importquote im März sind die zusätzlichen Zölle auf die Stahleinfuhr. Die Importquote sank in diesem Sektor um 37 % auf 610 Millionen Dollar. Das könnte negative Auswirkungen auf die Ausfuhren der US-Unternehmen haben. Die Handelspartner drohen mit Gegenmaßnahmen. Die EU plant Strafzölle auf US-Produkte wie Bekleidung und Fruchtsäfte im Wert von 345 Millionen Dollar.

Der Anstieg bei den US-Exporten ist vor allem auf den Verkauf von Flugzeugen nach Übersee im Wert von 2,5 Mrd. Dollar zurückzuführen. Diese Sparte legte im März um 25 % zu. Die Ausfuhr von Computern und Zubehör kletterte um 2,8 % auf 3,3 Mrd. Dollar, dagegen sanken die Lebensmittelexporte um 8,6 % auf 3,9 %. Konsumgüter bleiben auf dem Vormonatsniveau.

Auf der Importseite kamen vor allem Maschinen und Anlagen ins Land. Das wird von Experten als weiteres positives Signal gewertet. "Das könnte darauf hindeuten, dass der Investitionseinbruch, vor allem im Technologiebereich, weitgehend überwunden ist", sagt Joel Naroff, Chef der gleichnamigen Wirtschaftsberatungsgesellschaft in Holland, Pennsylvania. Die Einfuhr von Konsumgütern fiel leicht um 0,7 % auf 24,2 Mrd. Dollar.

Die Ölimporte stiegen im März, die USA führten 267,3 Mio. Barrel ein. Im Februar waren es 243,5 Mio. Barrel gewesen. Gleichzeitig kletterte der Barrelpreis von 16,56 Dollar auf 19,18 Dollar. Das war der stärkste Preisschub seit der Irak 1990 in Kuwait einmarschierte.

Der Dollar ist in den vergangenen Monaten schwächer geworden, aber die US-Währung ist immer noch stärker als vor einem Jahr. Das macht Importe billiger, Exporte teurer. Die leichte Talfahrt des Dollar stimmt US-Ökonomen besorgt. Sie fürchten, dass Investoren ihr Kapital in andere Währungsräume umlenken. Finanzminister Paul O`Neill zeigt sich dagegen optimistisch: "Geld fließt dahin, wo es gut behandelt wird."

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