Geld ist nicht der wichtigste Faktor
Kirche als Lehrer

5. Deutscher Wirtschaftsingenieurtag: Personalchefs sehen immer noch harten Wettbewerb im Recruiting.

DÜSSELDORF. Globalisierung? Internationale Unternehmen? Der Mann mit dem melierten Bart kann darüber nur lächeln. Der einzig echte Global Player ist für ihn sein eigener Arbeitgeber: Fast eine Milliarde Kunden, eine vergleichsweise kleine Verwaltung in der römischen Zentrale und eine international zusammen gesetzte Führungsmannschaft. Der Riesenkonzern heißt Katholische Kirche, und der bärtige Mann ist seit 48 Jahren als Pater Augustinus für sie tätig. "Neue Führungsstrategien für die Human Capital Economy" steht hinter ihm auf dem Podium des 5. Deutschen Wirtschaftsingenieurtags.

Pater Augustinus, eloquenter Vortragsredner und bis zum vergangenen Jahr quasi Chef-Lobbyist der Kurie bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung, ist für den unterhaltend-kritischen Teil zuständig. Er soll über Wirtschaftsethik reden - so wie sich die CSU auch schon mal linke Querdenker nach Wildbad-Kreuth holt.

Sein Beleg für die These, dass Unternehmen von der Kirche lernen können: Papst Pius XI. habe schon 1920 erkannt, dass die Kirche ihren Führungsnachwuchs nicht allein im römischen Umfeld rekrutieren dürfe, um das - damals noch gar nicht absehbare - Ende des Kolonialismus zu überstehen.

Unternehmen hingegen exportieren ihre Chefs aus der Zentrale zu den Auslandsstandorten. Wer aber in Indien ohne indische Führungskräfte arbeite, komme in große Schwierigkeiten.

Der Wirtschaftsingenieurtag trifft mit Personalentwicklungsstrategien ein aktuelles Thema. Zwar kündigen immer mehr Unternehmen Arbeitsplatzabbau, Sparkurse und Rationalisierungsmaßnahmen an. Die Personalverantwortlichen in Berlin sehen sich aber weiter auf der Jagd nach guten Leuten.

Der Wettbewerb um Top-Kräfte sei sogar "deutlich härter geworden", ist von BMW-Vorstand Ernst Baumann zu hören. Autobauer kämpfen nicht mehr nur mit der direkten Konkurrenz, sondern auch mit Multimedia-Unternehmen um die besten Leute am Markt. Nach Methodenkompetenz verlangt Baumann, nach Sprach- und Kulturkompetenz, nach interdisziplinärem und ethisch-verantwortungsvollem Denken und Handeln. Die Leute sollen schließlich etwas bewegen.

Geld ist in diesem Wettbewerb nicht der wichtigste Faktor. Studien belegen, dass das Image des Arbeitgebers und das Aufgabengebiet noch wichtiger sind. Diese Erkenntnis macht Jürgen Buschmann zu schaffen. Er ist Personalmanager beim angeschlagenen Chip-Hersteller Infineon. Natürlich müsse man kurzfristig Mitarbeiter entlassen, sagt er in Berlin, aber die High Potentials sollten unbedingt bleiben. Rekrutieren will Infineon seinen Worten zufolge "schon im nächsten Jahr wieder". Dann hat Infineon wieder ein Plus: einen neuer Standort bei München mit Sport- und Freizeitanlagen. Das hebt das Image.

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