Geld und Phantasie
Abenteuer Hollywood

Medienfonds-Prospekte glänzen - mit ihrem Papier und den Prognosen. Nicht immer zu Recht.

HB DÜSSELDORF. Was braucht ein Anleger, der in einen Medienfonds investieren will? Vor allem Geld und Phantasie. 20 000 DM, eher mehr, kostet die Eintrittskarte für das Abenteuer Hollywood. Phantasie ist vielfach vonnöten, um sich auszumalen, dass mit Filmen wirklich so schnell so viel Geld verdient werden kann, wie viele Prospekte weismachen wollen.

Die Renditen können nur zum Teil aus der anfänglichen Gutschrift auf die Steuerlast des Anlegers kommen. So betörend das Verkaufsargument Steuerersparnis auch sein mag, die Einspielergebnisse der Filme sind entscheidend. Beliebt ist die Annahme, die Nettoerlöse eines Films betrügen 150 % der Produktionskosten. Angenommen, der Fondsanbieter behält mit dieser Schätzung Recht, so fällt die Rechnung für einen Anleger bei weitem nicht so rosig aus.

Ein Beispiel: Der Steuersparer beteiligt sich mit einer Kommanditeinlage von 50 000 Euro an einem reinen Eigenkapitalfonds. Dessen eher durchschnittliche "weiche Kosten" berücksichtigt, zahlt er inklusive fünf Prozent Agio zunächst 52 500 Euro für seine Beteiligung, wovon aber nur 42 500 Euro wirklich für die Filmproduktion verwandt werden. Nur sie erwirtschaften auch Erlöse. Die Differenz, also die "weichen Kosten" gehen an Fondsanbieter, Vertriebe und Berater.

In Dollar zahlen

Für den Anleger würden 63 750 Euro bleiben, wären da nicht noch laufende Verwaltungskosten der Gesellschaft, Kosten, die bei ihrer Auflösung entstehen, Vorabgewinne und Gewinnbeteiligungen der Fondsanbieter. Selbst wenn solche Positionen unberücksichtigt bleiben, fließen an den Anleger nur 121,4 % seines Einsatzes zurück.

Dass manche Anbieter bei laufenden Kosten und Vorabgewinnen kräftig zulangen, zeigen die Fonds von Victory Media und Videal. Andere Anbieter anfänglich reiner Eigenkapitalfonds kommen mit weniger als 15 % "weichen Kosten" aus (CFB Commerz, CP Medien). Weil der Vertrieb, also das Einwerben von Eigenkapital beim Anleger, teuer ist, sind die "weichen Kosten" bei reinen Eigenkapitalfonds fast immer höher als bei Fonds, die mit Fremdkapital arbeiten. Einige Fonds legen die Rückflüsse aus dem Filmgeschäft gleich wieder in neue Filme an (ApolloMedia, DCM, CP Media).

Verfechter dieses Konzepts argumentieren, damit werde die Risikostreuung erhöht. Mit der erneuten Investition würden zusätzliche laufende Einnahmen und Werte geschaffen. Das ist richtig. Wenn es klappt, fällt die Summe der Ausschüttungen, bezogen auf das anfänglich investierte Eigenkapital, tendenziell höher aus. Dieser Ergebnishebel ist noch stärker, wenn die Wiederanlage durch Darlehen ergänzt wird (DCM, CP Medien). CP Medien bietet Anlegern darüber hinaus die Möglichkeit, auf Ausschüttungen vor der Fondsauflösung zu verzichten und die Ausschüttungen zusätzlich wieder anzulegen. Doch richtig ist auch: Bei Wiederanlagekonzepten wird verdientes Geld zum zweiten Mal riskiert.

Wer in Hollywood investieren will, muss in Dollar zahlen. Eine Überschlagsrechnung mit einer 50 000-Euro-Beteiligung: Wenn ein investierter Euro im Durchschnitt mit 0,90 $ Produktionskostenbeteiligung zu Buche schlägt, kommen von 42 500 Euro nur 38 250 Dollar in Hollywood an. Wird der Dollar schwächer und der Rückfluss erfolgt zu 0,95 $ je Euro, erhält der Investor statt 63 750 Euro nur 60 789 Euro (Kapitalrückfluss: 115,8 %).

Leasingähnliche Modelle als Sicherheitskonzepte

Doch wie sicher sind eigentlich Rückflüsse von 150 %? Überhaupt nicht, weswegen vorsichtige Anbieter nur noch 135 % ansetzen. Andere geben überhaupt keine Erlösprognose ab. Victory-Vorstand Franz Landerer will nicht in die "Glaskugel" schauen, und Videal-Chef Michael Burghoff verzichtet auf Hochrechnungen, "weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass sie nichts wert sind". Nicht zu vergessen: Viele Fondsanbieter rechnen Erlöse für Filme hoch, deren Drehbücher sie noch gar nicht gekauft haben, also ebenso wenig kennen wie der Anleger (Blind-Pool-Konzept).

Auf der anderen Seite werden Sicherheitsnetze eingezogen. Dazu gehören Erlösversicherungen (Apollo-Media), Einstieg in ein Projekt, nur wenn ein Vertrieb einen Minimumerlös garantiert (bei DCM in Höhe des Fremdkapitalanteils) oder Vorverkäufe.

Ein grundsätzlich anderes Sicherheitskonzept bieten leasingähnliche Modelle, wozu die Angebote von Mediastream/GVP, Alcas und BIL/Deutsche Bank zählen. Wer in diese Fonds investiert, hat über mehrere Jahre feste, teils zusätzlich variable Erlöse, die so sicher sind wie die Bonität der garantierenden Banken (s. auch "Steuern"). Die konzeptbedingt fremdfinanzierte Einlage des Mediastream-Angebots zeigt einen höheren Steuervorteil, weil der sich nur auf die eigenfinanzierte Einlage (Bareinlage) bezieht. Für den Mega-Fonds von BIL/Deutsche Bank gilt: Rund 160 Prozent Ausschüttungssumme nach 20 Jahren berauschen nicht. Kommen nicht eingerechnete, weil - im Unterschied zu allen anderen Zahlungen - nicht besicherte variable Lizenzeinnahmen hinzu, wird das Ergebnis besser. Generell gilt: Leasingähnliche Fonds sind keine Renditeknüller.

Einen anderen Weg, Risiken abzufedern, geht Media Select. Der Erste MedienDachFonds investiert in mehrere geschlossene Medienfonds. Dadurch ist das Kapital auf mehr Filme verteilt, das Risiko also breiter gestreut. Auch hier gilt: Mit dem Risiko sinken die Renditen. Vertrieb, Managementleistung und Verwaltung müssen doppelt bezahlt werden, einmal beim Zielfonds und ein weiteres Mal bei Media Select. Allerdings sind die "weichen Kosten" bei Media Select gering, und auch die anvisierten Zielfonds liegen in diesem Punkt eher am unteren Ende der Skala.

Anleger, die nicht auf leasingähnliche Modelle setzen, sollten mit Leidensfähigkeit in das Abenteuer Hollywood starten. Denn über die tatsächlichen Renditen könnte mancher genau so enttäuscht sein wie Rhett Butler in "Vom Winde verweht" über die mangelnde Liebe von Scarlett O? Hara.

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