Geld war knapp
Endlich ein Satz Handtücher

Der DFB-Pokal bietet für kleine Klubs die Chance, finanzielle Probleme zu lösen - auch für Bayern Münchens Gegner Alemannia Aachen.

AACHEN. Vergangenen Sommer hatte Jörg Schmadtke gute Neuigkeiten für seine Mannschaft. In den Jahren zuvor hatten die Spieler von Alemannia Aachen eigene Handtücher zum Training mitbringen müssen, das Geld war knapp. Nun aber schritt der Sportdirektor in die Kabine und verkündete die frohe Botschaft: Es werde einen kompletten Handtuchsatz für die Mannschaft geben. Doch die Kennzeichnung stellte sich als tückische Aufgabe heraus; die Beschriftung mit Filzstift wurde verboten, weil die Handtücher im Folgejahr für die Amateure vorgesehen waren.

Neben der Fürsorglichkeit der Verantwortlichen offenbarte die Textilspende, welche Ausmaße die Finanznöte vieler Profiklubs angenommen haben. Gesunkene Fernseheinnahmen infolge der Kirch-Insolvenz, aufgeblähte Kader als Erbgut der fetten Jahre und Misswirtschaft vorheriger Vereinsführungen haben nicht nur bei dem Traditionsverein aus dem Westen zu einem enormen Schuldenberg geführt.



Der DFB-Pokal, in dessen siebzigjähriger Geschichte bislang nie mehr Zweitligisten das Viertelfinale erreicht haben als in diesem Jahr mit Aachen, Lübeck, Duisburg und Fürth , bietet den kleineren Vereinen die einmalige Gelegenheit, entstandene Löcher zuzuschütten. "Der Pokal bietet die Chance, seine Saisoneinnahmen nahezu zu verdoppeln", sagt Alemannias Geschäftsführer Bernd Maas, "in sieben Spielen kann man dort beinahe dasselbe verdienen wie in einer kompletten Zweitligasaison." Auf rund drei Millionen Euro summieren sich die Einnahmen der Endspielteilnehmer, bei den 34 Spielen einer Zweitliga-Saison kommt ein vergleichbarer Betrag zu Stande. Alemannias Brutto-Einnahmen belaufen sich allein für das Spiel heute gegen Bayern München (20.30 Uhr, live im ZDF) auf etwa 840 000 Euro. "Mit einem Finaleinzug könnten wir mit einem Schlag einen großen Teil unserer Schulden tilgen", sagt Maas. Der Stand der Verbindlichkeiten beträgt anderthalb Jahre nach der drohenden Insolvenz rund zwei Millionen Euro.

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