Geldanlage für Lebensversicherer und Pensionsfonds
Suche nach Investoren für den Autobahnausbau

Seit Jahren kommt die private Finanzierung öffentlicher Verkehrswege in Deutschland nicht aus den Startlöchern, trotzdem wittert die Finanzbranche ein lukratives Geschäft. Die Deutsche Bank preist privat betriebene Autobahnen, Brücken und Tunnel als sichere Häfen für das viele Geld an, das zurzeit nach Anlagemöglichkeiten sucht.

huh BERLIN. Besonders für Lebensversicherer und Pensionsfonds seien Verkehrsprojekte interessant, glaubt Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen. Denn: "Diese Investitionen sind nicht sehr anfällig gegenüber Konjunkturzyklen."

Auf den ersten Blick sieht die Zukunft privater Betreibermodelle für Straßen also vielversprechend aus. Doch wenn es um konkrete Projekte geht, herrscht seit Jahren Stillstand. Gerade mal zwei Betreibermodelle sind bundesweit bisher im Bau, als erstes wird im September der Warnow-Tunnel bei Rostock dem Verkehr übergeben. Konsortialführer: die Deutsche Bank.

Das Projekt gehört zu den seit 1994 gesetzlich geregelten "F-Modellen". Das sind Brücken, Tunnel und Gebirgspässe, die von Privaten gebaut und betrieben werden sollen. Finanziert werden sie über eine Maut für Pkw und Lkw, die der Investor als Konzessionär bis zu 30 Jahre lang erheben darf.

Insider sagen den F-Modellen freilich wenig Zukunft voraus. Das Verkehrsaufkommen der ausgewählten Projekte gilt als zu gering. So enthält der neue Bundesverkehrswegeplan bis 2015 zwar noch fünf Vorhaben, als wirklich viel versprechend wird aber nur der Albaufstieg der A8 zwischen Stuttgart und Ulm gehandelt. Bis Ende 2004 will Baden-Württemberg mit dem Planfeststellungsverfahren fertig sein, parallel dazu soll die Ausschreibung des 350 Mill. Euro teuren Autobahnabschnitts vorbereitet werden. "Der Albaufstieg ist das einzige F-Modell, das wegen seiner Verkehrsmenge wirklich interessant ist", sagt Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbandes der Bauindustrie.

Dem drohenden Flop der Betreibermodelle will die Regierung nun mit einer neuen Variante begegnen, den "A-Modellen" für den mehrstreifigen Autobahnausbau. Hier baut der private Investor einen zusätzlichen Fahrstreifen und ist für den Unterhalt des gesamten Streckenabschnitts verantwortlich. Dafür bekommt er die ab Ende August geplante streckenbezogene Lkw-Maut und eine Anschubfinanzierung des Bundes. Zwölf A-Modelle sind geplant, noch 2003 werde der Ausbau der A8 bei Augsburg als erstes A-Modell ausgeschrieben, verkündet ein Sprecher von Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD).

Im zuständigen Bayern ist man über so viel Optimismus erstaunt. Zwar sei ein Teilnahmewettbewerb geplant. Doch ausgeschrieben werde das 300-Millionen-Euro-Projekt frühestens 2004, vorausgesetzt das Land und der Bund haben sich bis dahin über die Zukunft der staatlichen Autobahnmeistereien geeinigt. Die CSU - Regierung fürchtet um den Verlust von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst, wenn Private für den Unterhalt der Autobahnen zuständig sind. Ihr Ziel: Die privaten Investoren sollen die Autobahnmeistereien weiter beschäftigen.

Auch anderswo herrscht Furcht vor Ärger mit dem öffentlichen Dienst. In vielen Ländern würden Betreibermodelle deshalb ausgebremst, heißt es bei der Bauindustrie. Ein schlechtes Signal: Die zügige Projektumsetzung sei entscheidend für das "Herausbilden einer neuen institutionellen Investorenklasse", schreibt die Deutsche Bank in einer Analyse.

Quelle: Handelsblatt

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