Geldanlage
Marktsegmente bestimmen, wer wo mitmischen darf

Amtlicher Handel, Freiverkehr, Neuer Markt - bei der Suche nach geeigneten Aktien orientieren sich viele Anleger nach Marktsegmenten.

ddp/vwd BERLIN. Bei der Suche nach geeigneten Aktien orientieren sich viele Anleger nach den so genannten Marktsegmenten. In Deutschland gibt es derzeit fünf davon: den Amtlichen Handel, den Geregelten Markt, den Freiverkehr, den Neuen Markt sowie den Smax. Jedes Segment stellt unterschiedliche Anforderungen an seine Unternehmen.

Das anspruchsvollste Segment ist der Amtliche Handel (1. Markt). Hier hinein kommen nur Unternehmen, die bereits drei Jahre als Aktiengesellschaft existieren und ein Eigenkapital von mindestens 1,25 Millionen Euro vorweisen. 25 Prozent des Grundkapitals müssen nach Angaben der Deutschen Börse an der Börse platziert werden. Der Rest kann im Unternehmen, bei Banken oder Beteiligungsfirmen verbleiben. Unternehmen, die im Amtlichen Handel gelistet sind, haben sich außerdem dazu verpflichtet, nicht nur Jahresabschlüsse, sondern auch Zwischenberichte vorzulegen.

Der Geregelte Markt (2. Markt) gilt als Vorstufe zum Amtlichen Handel und weist einfachere Zulassungskriterien sowie niedrigere Zulassungsgebühren auf. Um am Geregelten Markt gelistet zu werden, reicht es aus, wenn das Unternehmen ein Jahr besteht und 250 000 Euro Eigenkapital aufweisen kann.

Im Freiverkehr gibt es keine strengen Reglements

Weitgehend ohne Regeln geht es dagegen im Freiverkehr (3. Markt) zu. Hier werden Werte gehandelt, die weder im 1. noch im 2. Markt eine Chance haben. Diese Sparte hat wenige Zulassungsvoraussetzungen und keine Folgepflichten, wie das Vorlegen von Jahresabschlüssen oder Zwischenberichten. Wie alt eine Aktiengesellschaft, wie hoch ihr Emissionsvolumen und wie hoch die Anzahl der einzuführenden Aktien ist, spielt keine Rolle. Als Zulassungsdokument reicht lediglich ein Verkaufsprospekt, der die rechtlichen Verhältnisse angibt und vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel genehmigt ist. Der Freiverkehr ist übrigens das größte Marktsegment an der Frankfurter Wertpapierbörse. Hier sind überwiegend ausländische Aktien, Optionsscheine und einige deutsche Aktien gelistet.

Der Neue Markt war bis vor einem guten Jahr noch der Star der Marktsegmente. 1997 von der Deutschen Börse AG eingeführt, listet er junge, innovative Unternehmen aus Wachstumsbranchen. Standen am Anfang gerade einmal drei Werte auf der Kurstafel, hat sich die Zahl der Unternehmen inzwischen auf weit mehr als 340 erhöht. Allerdings häufen sich derzeit schlechte Unternehmenszahlen oder sogar Insolvenzanträge. Kritische Stimmen fordern deshalb strengere Aufnahmekriterien.

US-Börse Nasdaq ist Vorbild

Die derzeitigen Richtlinien orientieren sich an der amerikanischen High-Tech-Börse Nasdaq. So müssen die jungen Technologiefirmen ihre Bilanzen nach internationalem Standard IAS oder US-GAAP durchführen. Des weiteren müssen Neue-Markt-Unternehmen Quartals- und Jahresberichte veröffentlichen sowie regelmäßig Analystenkonferenzen veranstalten. Zusätzlich haben sich diese Unternehmen dazu verpflichtet, dass Altaktionäre, meist die Firmengründer, ihre Aktien nicht kurz nach ihrem Börsendebüt verkaufen, sondern mindestens ein halbes Jahr halten.

Um die Aktionäre auch von der Qualität mittelständischer deutscher Unternehmen zu überzeugen, hat die Deutsche Börse 1999 quasi ein Qualitäts- oder Gütesiegel für Small-Caps eingeführt, den Smax. Ähnlich wie am Neuen Markt steht auch hier die Transparenz für den Anleger an oberster Stelle. Mit dem jüngsten Marktsegment will die Deutsche Börse den Mittelständlern die Chance geben, sich aus der Masse der Nebenwerte abzuheben.

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