Geldauflagen für acht von neun Angeklagte
Prozess um Flughafenbrand vorläufig eingestellt

Fünfeinhalb Jahre nach der Brandkatastrophe auf dem Düsseldorfer Flughafen ist der Prozess gegen die neun Angeklagten vorläufig eingestellt worden.

ap DÜSSELDORF. Am Donnerstag, dem 89. Verhandlungstag, stimmten Staatsanwaltschaft, Verteidiger und acht Angeklagte dem Vorschlag der Dritten Großen Strafkammer zu, das Verfahren gegen Zahlung von Geldauflagen zwischen 6000 und 40 000 Mark zahlen. Der neunte Angeklagte muss keine Geldauflage zahlen. Bei dem Brand am 11. April 1996 waren 17 Menschen ums Leben gekommen, 88 wurden zum Teil schwer verletzt.

Staatsanwalt Johannes Mocken erklärte seine Zustimmung zur Einstellung damit, das das individuelle Handeln der einzelnen Angeklagten nur deshalb zu den furchtbaren Tatfolgen geführt habe, weil vorangegangenes oder gleichzeitiges Fehlverhalten weiterer Personen mitursächlich für den Brand gewesen sei. Weder die Schwere der Schuld des einzelnen Angeklagten noch das öffentliche Interesse stünden einer Einstellung entgegen, meinte Mocken, der in dem Prozess ursprünglich fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung angeklagt hatte.

Die Verteidiger werteten den Beschluss des Gerichts in einer gemeinsamen Erklärung als "Friedensstiftung ohne Schuldvorwurf". Die Vorwürfe gegen ihre Mandanten hätten das Vorfeld des eigentlichen Brandes betroffen. Der Vertreter der Nebenklage, Gerhard Thien, sprach dagegen von einem "außerordentlich traurigen Beschluss", der die Angehörigen der Opfer erschüttern müsse. Dem Gericht unter Vorsitz von Richter Manfred Obermann warf Thien vor, es sei "dem Prozess nicht gewachsen" gewesen. Bei den Angehörigen der Opfer bleibe der Eindruck, "dass sich die Angeklagten von ihrer Schuld freigekauft haben", sagte der Anwalt.

Ermittlungsverfahren gegen drei Feuerwehrleute dauern an

Schlampereien im Umgang mit den Brandschutzvorschriften und der Einbau von nicht zugelassenem Dämmmaterial sollen für die Katastrophe verantwortlich gewesen sein.

Die strafrechtliche Aufarbeitung der Flughafenbrandes stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Ein erstes Verfahren platzte im August letzten Jahres nach 42 Prozesstagen, weil einer der beteiligten Laienrichter Alkoholiker war. Gutachter hatten ihn nachträglich als nicht verhandlungsfähig eingestuft. Seit Dezember 2000 verhandelte die Kammer dann im zweiten Anlauf erneut gegen die Beschuldigten. Dabei handelte es sich um Mitarbeiter einer Schweißerfirma, bei deren Arbeiten das Feuer entstanden war, um leitende Mitarbeiter des Flughafens, um Architekten und Feuerwehrleute.

Die Beweisaufnahme im Verfahren habe an fast 90 Verhandlungstagen über einen Zeitraum von beinahe zwei Jahren den Angeklagten ihr jeweiliges Fehlverhalten und ihr Verschulden eindringlich vor Augen geführt, meinte Mocken. Rund drei Millionen Mark hatte das Verfahren bislang gekostet. Im Falle der Nichteinstellung hätte man nach Angaben des Staatsanwalts mindestens drei, vielleicht vier Jahre weiter verhandeln müssen. "Dies konnten und wollten wir weder den Angeklagten noch den Angehörigen der Opfer zumuten", sagte Mocken. Das im Falle einer Verurteilung zu erwartende Strafmaß hätte die weitere lange Prozessdauer nicht mehr gerechtfertigt.

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