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Geldhahn zu

Seit Monaten ist von allen Wagniskapitalgebern die gleiche Leier zu hören: "Es gibt keine Krise. Die gegenwärtige Situation bietet uns vielmehr die Chance, endlich wieder zu vernünftigen Preisen Anteile an jungen Technologiefirmen zu kaufen". Nur - warum tun sie es dann nicht?

Die ersten Zahlen für den Venture-Capital-Markt im ersten Quartal liegen vor und sie zeigen eindeutig: Die Wagnisfinanziers stehen mit beiden Beinen auf der Bremse. Obwohl gerade im IT- und Internet-Bereich die Preise für Beteiligungen an Start-ups parallel zu den Aktienkursen an den Wachstumsbörsen eingebrochen sind und vielleicht noch ein Zehntel des Niveaus haben wie Anfang 2000, halten die Venture-Capitalisten ihre Geldbeutel fest verschlossen. Um 94 Prozent sind nach den Zahlen von Thomson Financial Venture Economics die Investitionen in Unternehmen aus dem Medien- und Kommunikationssektor im Vergleich des vierten Quartals 2000 zum ersten Quartal 2001 geschrumpft. Das heißt: Die Kapitalgeber haben den Geldhahn für Internet-Projekte praktisch von heute auf morgen zugedreht.

Viele Venture-Capital-Häuser setzen stattdessen nun wieder verstärkt auf Biotech. Doch auch hier dürfte die große Ernüchterung noch kommen. Wenn sich in ein paar Jahren die ersten Biotech-Blockbuster auf dem Pharmamarkt durchgesetzt haben, werden auf jedes Erfolgsmedikament eben auch zehn oder mehr Fehlschläge gekommen sein. Heißt es dann wieder: Kommando zurück?

Eine solche Stop-and-Go-Strategie kann nicht das Richtige sein. Venture-Capitalisten müssen sich von Moden unabhängig machen und stets die Unternehmensgründer herausfiltern, die eine wirklich tragfähige Idee haben und zudem Persönlichkeiten sind, die ein Produkt auf dem Markt etablieren können. Nur echte Unternehmer werden sich langfristig durchsetzen - und zwar auch, wenn ihre Branche gerade nicht an der Börse groß in Mode ist. Und genauso werden sich nur Venture-Capital-Firmen auf Dauer halten, die das berücksichtigen. Wer sich heute als B2C-Finanzier darstellt, morgen als B2B-Spezialist und übermorgen nur noch M-Commerce finanzieren will, demonstriert nicht, wie sehr er auf der Höhe der Zeit ist, sondern nur, wie wenig er von der langfristigen Natur des Wagniskapitalgeschäfts verstanden hat.

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