Geldinstitute wollen Kirch Media als Ganzes fortführen
Banken suchen fieberhaft Investoren

Für die Gläubiger-Banken der insolventen Kirch Media bleibt die Lage ernst: Damit die Film- und Sportrechte-Firma langfristig überlebt, müssen die Institute neue Anteilseigner aus der Medien-Branche finden. Wenn sich Investoren finden, sind Banken bereit, selbst die Mehrheit an Kirchs Kerngeschäft zu übernehmen.

cbu/jojo MÜNCHEN. Jetzt sind die Gläubiger-Banken gefordert. Nur wenn den Kirch Media-Poolbanken - Bayerische Landesbank, Hypo-Vereinsbank, Commerzbank und DZ Bank - gelingt, neue Anteilseigner für die insolvente Kirch Media zu finden, wird das Unternehmen überleben. "Wir setzen auf das finanzielle Engagement von Investoren, die an die Zukunft des restrukturierten Unternehmens glauben," betonte gestern Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann in München.

Insgesamt benötige die Firma laut Hartmann über eine Mrd. Euro an frischem Eigenkapital. Dazu komme ein Überbrückungskredit. Kirch Media hat nach Angaben von Sanierer Wolfgang van Betteray Bankschulden von 1,4 Mrd. Euro sowie Verbindlichkeiten gegenüber Hollywood-Studios von 500 Mill. Euro. Der Rest von insgesamt über 6,5 Mrd. Euro entfällt auf andere Kirch-Gesellschaften.

Die Banken selbst seien bereit, als Eigenkapitalgeber aufzutreten, betonte Hartmann. Details nannte der Commerzbanker allerdings nicht. Offensichtlich sind die Instiute aber gewillt, sogar die Mehrheit zu übernehmen. Die Banken hatten zuvor wochenlangen mit den Kirch-Media-Gesellschaftern verhandelt - ohne Ergebnis. Die Geldinstitute hatten immer erklärt, dass sie Investoren aus der Medienbranche als Partner bevorzugen und die Geschäfte auf lange Sicht nicht selbst führen wollen.

Den Instituten geht es hauptsächlich darum, zumindest einen Teil ihrer Kredite zu retten. Die vier Banken haben zusammen über 3 Mrd. Euro an die gesamte Kirch-Gruppe verliehen, davon alleine die Bayern LB etwa 2 Mrd. Euro. Wieviel davon auf die Kirch Media entfällt, ist offen. "Die Insolvenz ist nicht die 1a-Lösung, aber die 1b-Lösung", sagte ein Bankvertreter gestern. Kirch Media könne jetzt neu durchstarten. Eine Variante sei weiter, dass eine Auffanggesellschaft die werthaltigen Teile aus der insolventen Kirch Media erwirbt.

Die Dresdner Bank und die Deutsche Bank sind in den Rettungsbemühungen weiter außen vor. Die beide Institute verfügen über gute Sicherheiten und stehen deshalb weniger unter Druck. Bei der Dresdner hieß es gestern, der 460 Mill. Euro-Kredit an die Kirch-Dachgesellschaft Taurus-Holding sei zwar kurzfristig fällig, werde aber nicht sofort eingefordert. Auch die DZ-Bank hatte bereits fällige Zahlungen nicht sofort eingetrieben.

Medienanalysten sehen vor allem den Axel Springer Verlag als einen potenziellen Investor. "Alle anderen deutschen Kandidaten hätten ein Problem mit dem Kartellrecht", sagte gestern ein Medienexperte. Van Betteray betonte allerdings, die Springer-Option gegen Kirch von 767 Mill. Euro sei mit der Insolvenz wertlos. Van Betteray Unterstrich er erwarte "eine Vielzahl von Interessenten" für die Kirch Media.

An Kirch Media waren bisher die Rewe Holding, der saudische Prinz Al Waleed, sowie Unternehmen des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi und von Medienzar Rupert Murdoch beteiligt. "Wir möchten ausdrücklich auch die bisherigen Aktionäre der Kirch Media einladen", versuchte Hartmann gestern die bisherigen Gesellschafter doch noch ins Boot zu ziehen.

Eine Rettung von Kirch Media war in den vergangenen Wochen daran gescheitert, dass sich die bisherigen Investoren nicht an dringend benötigtem neuem Kapital beteiligten wollten. "Als finanzierende Partner des Unternehmens erwarten wir von den Kapitaleignern, dass sie, auch und gerade in Krisenzeiten, notwendige Stützungs maßnahmen begleiten.

Überraschenderweise ist gestern zudem eine Option von EM-TV-Gründer Thomas Haffa gegen die Kirch Media von 90 Mill. Euro aufgetaucht. Diese ist mit der Insolvenz aber auch obsolet.

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