Geldkarte erleichtert den Einkauf im Onlineshop
Chip ersetzt das Kleingeld

Die Geldkarte kämpft mit Akzeptanzproblemen. Zwar sind viele Bankkarten inzwischen mit einem Speicherchip ausgestattet, der mit elektronischem Geld aufgeladen werden kann. Doch kaum jemand bezahlt damit. Neue Anwendungen könnten das ändern.

DÜSSELDORF. Mehr als 60 Millionen aufladbare Geldkarten gibt es inzwischen in deutschen Portemonnaies. Bislang bezahlen die Deutschen jedoch kaum mit den goldenen Chips auf ihren Bankkarten. Es gibt jedoch Hinweise, dass sich die Akzeptanz für das Zahlungsmittel ändert. Im ersten Quartal 2003 wurde nach Angaben von Euro-Kartensysteme rund 12 % mehr mit der Geldkarte bezahlt als im ersten Quartal des Vorjahres.

Waren zunächst vor allem Park- und Ticketautomaten mit einem Geldkartenmodul ausgerüstet, nimmt inzwischen die Nachfrage nach Modulen für Snack- und Getränkeautomaten zu, berichtet der Hersteller elektronischer Kartenzahlungssysteme, Thales e-Transactions (früher Krone Kommunikationstechnik). Das Bezahlen mit der Geldkarte eignet sich vor allem für Automaten, da diese entweder kein Wechselgeld oder nur begrenzt Münzen herausgeben können.

Mit Altersangabe für den Zigarettenkauf

Eine Gesetzesänderung der Bundesregierung könnte der Geldkarte eine zusätzliche Anwendung bringen. Wer ab 2007 am Automaten Zigaretten zieht, muss belegen, dass er mindestens 16 Jahre alt ist. Dazu würde sich der Chip auf der Bankkarte hervorragend eignen. So ist geplant, künftig das Alter des Geldkartenbesitzers auf dem Chip zu speichern. "Und wer seine Karte sowieso in den Zigarettenautomaten steckt, bezahlt auch gleich damit", hofft Volker Koppe von Euro-Kartensysteme. Nutzerstatistiken hätten gezeigt, dass an manchen Zigarettenautomaten bis zu 80 % der Kunden bereits heute mit Geldkarte bezahlen, berichtet Koppe.

Mit einer Speicherkapazität von jeweils 16 Kilobytes - ab nächstem Herbst sogar 32 Kilobytes - eignen sich die Chips auch für die elektronischen Gesundheitskarten, die Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) 2006 einführen möchte. Außerdem könnte sich die Geldkarte zur Speicherung von Rezepten eignen. Der Apotheker könnte die Daten dann direkt für die Abrechung mit der Krankenkasse verwenden. Noch ist jedoch nicht sicher, ob hier die Geldkarte zum Zuge kommt. Die Entscheidung für einen Anbieter ist noch offen, unterstreicht Produktmanager Volker Koppe.

Eine andere Nutzung der Geldkarte wird derzeit in Bremen getestet: Dort können Bürger Urkunden online bestellen und die Gebühren vom Chip auf der Bankkarte abbuchen. Dazu müssen sie vorher ihre Signatur auf den Chip schreiben lassen. Außerdem benötigen sie ein Kartenlesegerät, das regulär mindestens 50 Euro kostet. Bremen ist bei der Entwicklung von Onlineangeboten für das Rathaus in Deutschland Vorreiter.

Sicher Bezahlen im Internet

Wer dann einmal ein Kartenlesegerät an seinen PC angeschlossen hat, kann demnächst auch Logos und Klingeltöne für das Handy oder Musiktitel beziehungsweise Texte aus Archiven aus dem Internet laden und per Geldkarte bezahlen. Da die Kunden weder eine Geheimzahl noch ihre persönlichen Daten angeben müssen, könnten so auch Nutzer gewonnen werden, die aus Sicherheitsgründen den Onlineshops fern blieben. "Die Anonymität ist der große Vorteil der Geldkarte gegenüber dem Magnetstreifen auf der Bankkarte", erklärt Thomas Denny, Berater bei der Firma Security Research and Consulting. Die Magnetstreifen auf den Bank- und Sparkassenkarten enthalten Kontoinformationen. Auf dem Chip der Geldkarte werden lediglich Geldbeträge gespeichert und abgerufen.

Auch wer seine elektronische Unterschrift auf den Chip schreiben lässt, kann weiterhin anonym Gummibärchen und Parktickets mit seiner Geldkarte bezahlen: "Die einzelnen Informationen sind auf dem Chip in verschiedenen Bereichen abgelegt", versichert Denny. Die heutigen Lesegeräte der Automaten können ausschließlich Geld abbuchen - auf die anderen Informationen haben sie keinen Zugriff.

Und damit der Geldfluss beim Einkaufen im Internet nicht versiegt, können Surfer die Geldkarte bald auch online aufladen. Bisher müssen sie dazu spezielle Terminals in Banken aufsuchen. Allerdings passen nur 200 Euro auf die Geldkarte.

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