Geldkarten, Micropayment-Systeme, Homebanking
Geldautomat für jedermann

Den Start ins Internet hat die Geldkarte verpennt. Während andere Micropayment-Systeme wie Net900, Firstgate, Prepaid-Karten oder Paybox munter Kunden sammeln, dümpelt die Geldkarte vor sich hin. Das soll sich nun ändern.

HANNOVER. Bereits seit Ende letzten Jahres genehmigte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) das Zahlen von Beträgen mit der Geldkarte über das Internet. Die Vorteile: Dieses Micropayment-Verfahren war günstig, sicher und anonym. Doch kaum ein Kunde konnte sich dafür begeistern. Der Geldkarten-Hersteller Kobil Systems hat nach eigenen Angaben 30.000 Lesegeräte verkauft, der Wettbewerber Giesecke & Devrient gerade einmal 10.000. Nicht viel im Vergleich zu einigen Millionen im Umlauf befindlichen Geldkarten. Der Grund dafür ist nicht nur bei den aufwändigen und teuren Lesegeräten zu suchen, sondern auch bei der Philosophie. Denn auf einen Weg, die Karte auch über das Internet aufzuladen, konnten sich die Banken nicht einigen. Einen entsprechenden Standard blockierten vor allem die Privatbanken jahrelang im ZKA. Nutzer mussten zur Bank gehen, um dort ihre Karten aufzuladen. Ein Musterbeispiel des gefürchteten Medienbruchs. Damit soll jetzt Schluss sein. "Im Juli sind wir soweit", verspricht Tschangiz Scheybani vom Giesecke & Devrient. Der Deutschen Sparkassen- und Giroverband, der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken und der Verband öffentlicher Banken entschlossen sich zum - von den Privatbanken tolerierten - Alleingang und entwickelten Spezifikationen für die aufladbare Geldkarte. Das finale Dokument, mit dem dann ein De-Facto-Standard gesetzt wird, soll in den nächsten Tagen verschickt werden. Die Hersteller haben auf der CeBIT aber bereits funktionsfähige Protoypen vorgestellt (Halle 17, E44). Ab dem Sommer können die Banken diese Dienstleistung anbieten können, verspricht Scheybani. Damit würde der PC zum heimischen Geldautomaten. Wann der erste Cent durch die Leitung fließt, hängt von den Banken ab. Jedenfalls wird sich nicht jede Filiale die Software installieren müssen. Tscheybani rechnet damit, dass zwei bis vier Dienstleister den gesamten deutschen Markt abdecken. Bis es soweit ist, müssen sich aber die Nutzer noch einen teuren Klasse-3-Leser anschaffen. Derzeit wird er zu Preisen rund um 100 Euro vertrieben. Giesecke & Devrient sowie der Wettbewerber Kobil rechnen aber damit, dass der Preis für den Endkunden durch Subventionen der Banken auf rund 60 Euro gedrückt wird. Damit hat die ins Hintertreffen geratene Geldkarte noch eine neue - vermutlich letzte - Chance, ein ernstzunehmendes Zahlungsmittel zu werden. Zumal die Hypovereinsbank noch eins draufsetzt und die Geldkarte mit der Funktion zum Homebanking und zur digitalen Signatur aufrüstet. Hintergrund: Smartcard-Leser Der Markt für Smartcard-Lese besteht heute im wesentlichen aus Klasse-2- und Klasse-3-Lesegeräten. Beide haben eine separate Tastatur und ein eigenes Display. Der Klasse-3-Leser hat allerdings einen größeren Bildschirm und kann durch Software für viele verschiedene Anwendungen eingesetzt werden. Bezahlungen mit der Geldkart sind nur mit dem Klasse-3-Modell zulässig. Für digitale Signatur oder Homebanking reicht auch das einfacherer Gerät. Klasse-1-Leser ohne eigene Tastatur und Display spielen aus Sicherheitsgründen kaum ein Rolle. Kobil Systems, der nach eigenen Angaben größte Hersteller von Lesegeräten, macht derzeit mehr Umsatz mit Klasse-2-Geräten. Kunden sind meist Unternehmen oder Behörden, die die Smartcards einsetzen, damit sich ihre Mitarbeiter authentifizeiren können. Interesse an Geldkarten-Zahlungen haben sie nicht. Ismet Koyun, Kobil-Geschäftsführer, rechnet aber langfristig damit, dass die Hälfte aller verkauften Geräte der Klasse-3-Norm entsprechen. Vor allem, wenn durch die Auflade-Möglichkeit auch vermehrt Privatpersonen solche Geräte zulegen werden.

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