Geldmenge M3 stärker als erwartet gewachsen
Analysten halten EZB-Zinssenkung für möglich

rtr FRANKFURT. Die für die EZB-Zinspolitik wichtige Geldmenge M3 ist im Juli wegen Sondereffekten erneut stärker als erwartet gewachsen, was die EZB Analysten zufolge aber nicht von einer Leitzinssenkung am Donnerstag abhalten wird. Im Juli habe sich das M3-Wachstum auf 6,4 (Juni 6,1) Prozent beschleunigt, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag in Frankfurt mit. Der Dreimonatsdurchschnitt von Mai bis Juli stieg den Angaben zufolge auf 5,9 % (April bis Juni 5,3 %) und liegt damit weiter über dem EZB-Referenzwert von 4,5 %. Die Kurse der Euro-Zinsfuture gaben nur kurz nach, der Euro tendierte stabil um 0,9050 Dollar.

Ein beschleunigtes M3-Wachstum signalisiert in der Regel höhere Inflationsrisiken und verringert damit den Spielraum für Zinssenkungen. Die EZB begründete den M3-Anstieg damit, dass die Anleger wegen der schwachen Aktienmärkte verstärkt Geldmarktfonds nachgefragt hätten. Angesichts der flachen Zinsstrukturkurve hätten die Investoren auch längerfristige Anlagen, die nicht zu M3 gehören, in kurzfristige M3-Bestandteile umgeschichtet. Die M3-Daten seien zudem nach wie vor um rund 0,75 %punkte nach oben verzerrt wegen der von außerhalb des Währungsgebiets Ansässigen gehaltenen Geldmarktpapieren und Schuldverschreibungen mit einer Ursprungslaufzeit von bis zu zwei Jahren.

Analysten hatten im Vorfeld im Mittel für Juli ein Wachstum von 6,1 % und einen Dreimonatsdurchschnitt von 5,8 % prognostiziert. Das Geldmengewachstum ist neben einer umfassenden Beurteilung der Inflationsentwicklung eine der beiden Säulen, an denen die EZB ihre Geldpolitik ausrichtet. M3 umfasst nach Definition der EZB Bargeld, Einlagen auf Girokonten bei Banken, Einlagen und Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren, Repogeschäfte, Geldmarktpapiere und-fonds sowie Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist.

Experten rechnen trotz des starken Wachstums dennoch mit einer Zinssenkung der EZB bei ihrem Treffen am 30. August, da die EZB mit dem Verweis auf Sondereffekte eine stichhaltige Begründung für den starken Anstieg geliefert habe. "Es scheint so, dass die Investoren aus den Aktien heraus gegangen sind und dafür Geldmarktfonds gekauft haben", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Wegen der flachen Zinsstrukturkurve hätten die Anleger zudem längerläufige Anleihen umgeschichtet in kurzfristigere Anlagen. Diese Faktoren seien zu 95 % für den ungewöhnlich starken Anstieg verantwortlich. "Deshalb wird diese Entwicklung die EZB nicht von einer Zinssenkung am Donnerstag um 25 Basispunkte auf 4,25 % im Schlüsselzins abhalten", sagte Krämer.

Auch BHF-Volkswirt Uwe Angenendt erwartet weiter eine Zinssenkung am Donnerstag und verweist ebenfalls auf die EZB-Erklärung des starken M3-Wachstums. "Diese Relativierung ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass am Donnerstag ein Zinsschritt kommt. Ich erwarte eine Zinssenkung um mindestens 25 Basispunkte, halte aber auch 50 Basispunkte für möglich", sagte Angenendt.

Das Kreditwachstum in der Euro-Zone belief sich im Juli nach Angaben der EZB auf 6,2 %, nach 6,1 % im Juni. Die Wachstumrate für Kredite an den privaten Sektor wuchs um eine Jahresrate von 8,2 (Juni 8,4) Prozent.

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