Geldmenge M3 wächst im April kräftiger als zuvor
Bankvolkswirte: Geldmengenplus steht Zinssenkung nicht entgegen

Das Wachstum der europäischen Geldmenge M3 hat sich in den ersten Monaten dieses Jahres beschleunigt.

pw FRANKFURT/M. Bankvolkswirte werteten die Zahlen aber ohne Sorge: Das M3-Wachstum stehe einer leichten Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht entgegen, hieß es in der Mehrzahl der Stellungnahmen. Betont wurde, dass die EZB derzeit wohl eher auf die zweite Säule ihrer geldpolitischen Strategie und vor allem auf die Preis- und die Lohnentwicklung blicke.

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing sagte in Mailand, trotz der derzeit höheren Inflationsraten hätten die Gewerkschaften bis zuletzt Lohnmäßigung gezeigt. Volkswirte erwarten, dass die Inflation im Euro-Raum im Mai auf über 3 % steigen und erst 2002 wieder unter 2 % sinken wird.

Allgemein wird eine Zinssenkung im Juli oder August erwartet. Die EZB hatte die Leitzinsen am 10. Mai um 25 Basispunkte auf 4,5 % gesenkt. Martin Hüfner von der Hypo-Vereinsbank warnte indes, auch höhere Leitzinsen dürften nicht tabu sein. Er sagte dem Magazin Geldidee: "Wenn sich die Preissteigerung weiter durchsetzt, muss man an das Unmögliche denken."

M3 legte leicht beschleunigt zu

Nach den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen legte M3 im April um 4,7 % leicht beschleunigt zu, nach 4,6 % im März. Im Januar war M3 nur um 4,4 % gewachsen. Im Drei-Monats-Durchschnitt wuchs die Geldmenge von Februar bis März um 4,6 %, nach 4,5 %. In diesen Daten ist die Bereinigung der Geldmenge um die von Euro-Ausländern gehaltenen Geldmarktfondsanteile schon enthalten. Ohne Bereinigung lag das M3-Wachstum im April bei 5,2 %, nach 5,1 %. Die angekündigte zweite Bereinigung der M3-Daten dürfte nach ersten EZB-Berechnungen das M3-Wachstum im April um weitere 0,5 Prozentpunkte senken. Das wären dann 4,2 %. Insgesamt liegt das Wachstum von M3 um den Referenzwert der EZB von 4,5 %.

Während sich manche Analysten um die Aufwärtsdynamik sorgten, blieben andere ruhig. Michael Schubert von der Commerzbank sagte, die ausgeprägte kurzfristige Beschleunigung von M3 sei aus geldpolitischer Sicht problematisch. Die Beschleunigung des M3-Wachstums geht saisonbereinigt unter anderem auf einen Anstieg der kurzfristigen Einlagen zurück, die wegen der vergleichsweise hohen Zinsen attraktiv sind. Deutsche Bank Research vermutet, dass mit den zuletzt leicht rückläufigen Zinsen diese Komponente von M3 weniger stark zulegen sollte.

Ulrich Kater von der DGZ-Deka Bank - betonte, aktuell liege die Ursache des M3-Plus nicht im Kreditwachstum. Die Kredite an den privaten Sektor stiegen im April um 9 % nach 9,2 % im März. Direktkredite kletterten nur noch um 8,2 % nach 8,6 %. Dagegen legten die marktfähigen Finanzinstrumente mit 15,8 % zu (März: 15 %). Kater sagte, diese Art der Geldmengenbeschleunigung sei weniger inflationsgefährdend. Mit dem leichten Aufwärtstrends an den Aktienbörsen dürften Investoren wieder weniger stark in marktfähige Instrumente gehen.

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