Geldnot
Ein Wohltätigkeitskonzert für Hillary Clinton

Eigentlich ist Hillary Clinton ein bekennender Fan der Rolling Stones. Aber zur Not nimmt sie auch den britischen Softrocker Elton John - wenn es gilt, ihre Kampagne vor dem finanziellen Kollaps zu bewahren.

DÜSSELDORF. Bis zu zwei Millionen Dollar soll der Auftritt von Elton John nächste Woche in New York einspielen. Ein Wohltätigkeitskonzert, auf das Clinton dringend angewiesen ist. Aber gegen Barack Obamas Kleinspender kommt sie damit nicht an.

Stolze 20 Millionen Dollar hat Hillary Clinton im März eingenommen, das zweithöchste Ergebnis bislang überhaupt, betonen ihre Berater. Aber verglichen mit den 40 Millionen, die Barack Obama zuflossen, ist das nicht viel. Offiziell ficht das Clinton, die einst als hohe Favoritin in das Rennen gestartet war und jetzt hinter ihrem Konkurrenten hinterher rennt, nicht an: "Allmählich gewöhne ich mich daran, bei den Ausgaben übertroffen zu werden", gab sie jetzt anzügliche Fragen von Reportern zurück.

Aber die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache: Insgesamt hat Barack Obama bislang 240 Millionen Dollar eingenommen, Hillary Clinton "nur" 175 Millionen. Von John McCain, dem Kandidaten der Republikanern, ganz zu schweigen.

Aber in Wirklichkeit ist die Lage für Clinton noch weit schlechter. Sie hatte sich im Januar nur mit einem Griff in die private Schatulle vor dem Bankrott bewahren können und hat auch jetzt fast so viele Schulden wie freie Mittel. Und dann ist ein Teil ihrer Spendeneinnahmen auch noch für die Endausscheidung gegen McCain gebunden - während Obama fast alle seine Millionen im Vorwahlkampf einsetzen kann. Und das tut er auch: der ehemalige Underdog aus der Provinz investiert in Pennsylvania rund drei Millionen Dollar, in Wahlwerbung und Mitarbeiter. Clinton dagegen gibt nur schlappe 500 000 Dollar aus.

Clinton muss sich inzwischen wie in einem Hamsterrad fühlen. Egal, wie viele Staaten sie noch gewinnen wird, sie kann Obama bei den Delegiertenstimmen nicht mehr einholen. Und egal, wie viele Fundraiser sie auch veranstaltet, so viel Geld wie Obama kommt nicht in ihre Kassen.

Mehr als 50 Veranstaltungen für Spender haben Hillary und ihr Gatte Bill in diesem Jahr bereits ausgerichtet, Barack Obama und seine Frau Michelle gerade mal zehn. Mehr hat er nicht nötig, weil die Begeisterung für den Afroamerikaner einen stetigen Strom von Kleinspenden über das Internet hereinspült: 218 000 neue Spender registrierte Obamas Kampagne allein im März, insgesamt hat er bereits 1,276 Millionen Spender, die durchschnittlich 96 Dollar überwiesen.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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